Strandbäder

Wegen EU-Regel: Nonnen legen sich mit Gemeinde an

Italien: Doch keine 'Impfungen am Strand'
© Getty (Symbolbild)
In Italien führen seit Jahrzehnten Nonnen ein Strandbad. Sie können dadurch soziale Projekte für Kinder finanzieren. Nun droht ihnen wegen der EU das Aus.
OE24 auf Google bevorzugen

Im italienischen Spotorno in der Provinz Savona sorgt derzeit ein großer Streit um den fünfzig Meter langen Sandstrand für viel Aufregung. Dort legen sich nun die Nonnen der Carità di Santa Maria mit dem Bürgermeister an und wollen ihr Strandbad noch retten.

Sie betreiben nämlich seit den 1970er-Jahren das Lido Gino Garrone. Das Strandbad bietet Liegen und Sonnenschirme an. Zusätzlich gibt es ein Sommerlager und einen Kindergarten. Doch nun steht das Strandbad vor dem Aus. Die Gemeinde droht den Nonnen, die Konzession zu entziehen.

"Warum will die Gemeinde uns den Strand wegnehmen?"

Suor Miranda, eine über 80-jährige Nonne, führt den Widerstand gegen den Bürgermeister an. Laut der "Corriere della Sera" soll sie während einer öffentlichen Versammlung die Frage gestellt haben: "Warum will die Gemeinde uns den Strand wegnehmen? So können wir nicht einmal mehr die Schule garantieren."

Dagegen steht Bürgermeister Mattia Fiorini. Er möchte die EU-Richtlinie Bolkestein durchsetzen. Aus diesem Grund muss das Küstengebiet neu ausgeschrieben werden. Die EU-Bolkestein-Richtlinie wurde in Italien jahrelang ignoriert. Sie schreibt vor, dass der Wettbewerb bei Strandkonzessionen frei sein soll.

Neuvergabe wegen EU-Richtlinie

Wegen des Drucks aus Brüssel und nationalen Gerichtsurteilen wurde die Regierung Meloni gezwungen zu handeln. Sie setzte eine Frist auf den 30. Juni 2027 fest. Bis zu dieser Deadline müssen alle privaten Strandkonzessionen neu ausgeschrieben und vergeben werden. Dabei ist nun Spotorno die erste Gemeinde, die die Richtlinien umsetzt.

Fiorini betont, dass der 3.500-Einwohner-Ort bisher die wenigsten öffentlich zugänglichen Strände in Ligurien hatte. Nur 3,5 Prozent der Küste ist frei zugänglich. Er möchte rund 40 Prozent freie Strände. Der Bürgermeister erklärt: "Die Nonnen müssen wie alle anderen an der Ausschreibung teilnehmen." Zudem wurde die Kategorie "Wohltätigkeitsbäder" abgeschafft. Bei der Hafenbehörde wird das Strandbad Lido Garrone schon als reguläre Badekonzession geführt.

Gemeinde gespalten

Der Streit spaltet die Einwohner von Spotorno. Vor allem Mütter stehen hinter den Nonnen. Seit Jahrzehnten finanziert das Strandbad Kindergarten und Sommerlager. Wie der Orden gegenüber "La Stampa" sagt, fühlen sich die Schwestern im Stich gelassen: "Nach Jahren werden wir hinausgeworfen, ohne dass die geleistete Arbeit für die Gemeinschaft berücksichtigt wird."

Laut "Mondo Balneare" wird die Situation von der gesamten Strandbranche beobachtet. Es könnte zu einem möglichen Präzedenzfall kommen. Die Ausschreibung soll zwischen Oktober und November 2026 veröffentlicht werden, so die Gemeinde. Die neue Konzession soll Anfang 2027 vergeben werden.

Die Gemeinde hat angekündigt, dass die Umwandlung des Strandbads eingeschränkt wird. Der Strand soll nicht freizugänglich werden, da sonst der direkte Zugang zum Strand verbaut wird.

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden