Equal Pay Day

Ministerin bewirbt jetzt Gleichstellungs-Projekt

Eine Frau spricht bei einer Pressekonferenz am Rednerpult mit Mikrofon und Namensschild.
© APA/HELMUT FOHRINGER
Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) hat zwei Tage vor dem Equal Pay Day ein Projekt beworben, das Unternehmen bei der Gleichstellung von Frauen und Männern am Arbeitsplatz unterstützt.
OE24 auf Google bevorzugen

Der Fokus von "100 Prozent - Gleichstellung zahlt sich aus" liegt dabei unter anderem auf der fairen Bezahlung. Dafür soll auch die EU-Lohntransparenzrichtlinie sorgen, bei deren Umsetzung Österreich säumig ist. Es gelte nun, die Koalitionspartner zu überzeugen, sagte Schumann dazu.

Österreich habe den drittgrößten Gender Pay Gap in der EU, kritisierte sie bei einer Pressekonferenz am Dienstag. Das Projekt zeige aber, dass Gleichstellung in Unternehmen möglich ist. Die zehn Millionen Euro dafür kommen zu zwei Drittel aus dem Europäischen Sozialfonds und zu einem Drittel aus dem Sozialministerium. Gleichstellung und faire Bezahlung bringen sowohl den Beschäftigten als auch den Unternehmen Vorteile, ist die Ministerin überzeugt. Schließlich stärken sie das Vertrauen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Betrieb.

Zwei Frauen sprechen bei einer Pressekonferenz mit EU-Logo im Hintergrund an Rednerpulten.
Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) und Anita Rainer (Projektleitung '100 Prozent – Gleichstellung zahlt sich aus'). © APA/HELMUT FOHRINGER

219 Unternehmen beraten

Das aktuelle Projekt läuft von 2023 bis 2028. Projektleiterin Anita Rainer erkennt bereits Verbesserungen: Unternehmen müssten seltener überzeugt werden, dass Gleichstellung ein Thema ist. Bisher wurden 219 Unternehmen beraten und damit rund 76.700 Beschäftigte erreicht. Das Ziel sei, über 300 Unternehmen zu erreichen, vor allem in den Branchen IT und Green Jobs. Auf die Frage, wie sichergestellt werde, dass nicht nur an Gleichstellung interessierte Firmen beraten werden, meinte Rainer, dass bei fast jedem Unternehmen Ungleichheit bestehe.

Das Angebot umfasst zunächst eine Erstberatung und eine Analyse des Status quo in puncto Gleichstellung. Später werden eine Gleichstellungsstrategie entwickelt, notwendige Maßnahmen identifiziert und die Unternehmen bei der Umsetzung begleitet. Auf der Website können Betriebe auch einen Selbstcheck durchführen und herausfinden, ob das Beratungsangebot für sie passend ist.

Zwei teilnehmende Unternehmen berichteten von positiven Erfahrungen: David Stuckey und Annekatrin Koch vom Ingenieurbüro Larix erzählten von Coachings für Mitarbeiterinnen, zudem seien ein transparentes Gehaltsschema erarbeitet und die Werte des Betriebs verschriftlicht worden. Katharina Langeder-Macheiner und Margret Macheiner stellten in ihrer Kaffeerösterei 220Grad einen Gender Pay Gap fest. Das Gehaltsschema wurde seither weiterentwickelt, der Lohn hänge nicht mehr von der Person, sondern von Funktion und Aufgaben ab. Eine Lohnschere gebe es nicht mehr.

Lohntransparenz: Schumann appelliert an ÖVP und NEOS

Schumann appellierte an die Koalitionspartner, die EU-Lohntransparenzrichtlinie umzusetzen. Sie sei eine Chance, bestehende Ungleichheiten sichtbar zu machen und faire Kriterien für die Bezahlung zu etablieren. Einen Entwurf hatte Schumann im Juni in die politische Koordinierung der Regierung geschickt. Mit den Sozialpartnern hatte sie sich auch nach über 30 Verhandlungsrunden nicht einigen können; vor allem die Wirtschaftskammer hatte protestiert.

Mit den Koalitionspartnern, die noch überzeugt werden müssten, sei sie in permanentem Austausch, sagte die Ministerin. Nochmals warnte sie vor Strafdrohungen, die aus einem Vertragsverletzungsverfahren der EU erwachsen könnten. Ein solches gibt es - auch wenn die Richtlinie von den Mitgliedsstaaten schon im vergangenen Juni umgesetzt werden sollte - noch nicht.

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden