Ausbildung
Gewerkschaft fordert jetzt Lehrlingsfonds
Daher brauche es eine Lehrlingsoffensive, die unter anderem einen Ausbildungsfonds umfasse, betonten Reinhold Binder, Vorsitzender der Produktionsgewerkschaft (PRO-GE) und Bundesjugendsekretär Matthias Hauer am Dienstag vor Journalisten. Wer Lehrlinge ausbilden könnte, es aber nicht tue, sollte in den Topf einzahlen, Ausbildungsbetriebe sollten hingegen profitieren.
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Im Vorjahr gab es 5.500 Jugendliche, die vergeblich eine Lehrstelle gesucht haben. Rechnet man jene hinzu, die sich in einer Schulung oder einer überbetrieblichen Ausbildung befanden, benötigten rund 20.000 Jugendliche einen regulären Ausbildungsplatz, teilten die Gewerkschafter mit.
Gleichzeitig sank die Zahl der aktiven Lehrbetriebe von 38.132 im Jahr 2007 auf 25.168 Betriebe bis Ende 2025. Die Zahl der Lehrlinge im ersten Lehrjahr sank von 38.518 im Jahr 2000 auf zuletzt 30.625 Auszubildende. Bei den offenen Lehrstellen gibt es jedoch regionale Unterschiede: Während in den westlichen Bundesländern Lehrlinge gesucht werden, mangle es in den östlichen Bundesländern - und hier vor allem in Wien - an entsprechenden Ausbildungsplätzen.
Hohe Kosten - weniger Förderung
Auf dem Lehrstellenmarkt gebe es nicht nur regionale Unterschiede, merkte Helmut Mahringer, Ökonom des Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) dazu an. Das Lehrstellenangebot hänge auch von der Konjunktur ab sowie vom Geschlecht und den einzelnen Berufen. Die Gewerkschafter verweisen etwa auf die Tourismus-Branche, die über einen Mangel an Arbeitskräften klage. Nur 6,9 Prozent aller Lehrlinge seien in dieser Branche beschäftigt und nur 8 Prozent der Betriebe würden Lehrlinge ausbilden.
Um einerseits mehr Fachkräfte auszubilden und die Lehrstellenlücke zu verkleinern, bedürfe es mehrer Maßnahmen, sagte Binder. Dazu zähle etwa ein Ausbildungsfonds, der von Betrieben gespeist werden soll, die zwar Lehrlinge ausbilden könnten, dies aber nicht tun. Das Geld sollte an Betriebe fließen, die in hochwertige Ausbildung investieren, so der Vorschlag der Gewerkschafter. "Wenn sich 86 Prozent der Betriebe aus der Ausbildung zurückziehen, aber später die fertig ausgebildeten Fachkräfte der restlichen 14 Prozent abwerben, ist dies unsolidarisch und ökonomisch kurzsichtig", sagte Binder. Um welche Beträge es sich dabei handeln soll, ist Binder zufolge noch offen.
Für Ausbildnerinnen und Ausbildner in den Betrieben sollte es eine verpflichtende Weiterbildung geben, ist eine weitere Forderung. Strengere Kontrollen und spürbare Konsequenzen sollte es bei Verstößen - etwa gegen das Arbeitszeitgesetz und den Jugendschutz - geben. Hinzu sollte die Lehre durch "faire Einkommen und Boni" attraktiver werden.
WKO kontert
An den Betrieben liege es nicht, merkte die WKO an: Die Hälfte der Betriebe (30 Prozent sicher, weitere 23 Prozent vielleicht) würde mehr Lehrlinge ausbilden, wenn sie ausreichend geeignete und interessierte Jugendliche finden könnten. Unter jenen Betrieben, die bereits ausbilden, wollten sogar fast 70 Prozent (48 Prozent sicher und 20 Prozent vielleicht) mehr Lehrlinge aufnehmen.
Allerdings würden viele Betriebe keinen Lehrling finden - und knapp die Hälfte der ausbildenden Betriebe würden nur einen Lehrling beschäftigen, konterte die Wirtschaftskammer (WKO). Zudem verlagere sich die Ausbildung zunehmend von kleineren hin zu größeren Betrieben, während die Zahl der Lehrlinge pro Betrieb steige. Der Anteil der Auszubildenden in Betrieben mit mehr als 250 Mitarbeitern stieg laut der WKO innerhalb von zehn Jahren von 34,6 Prozent auf 40,9 Prozent. Dies liege auch an den gestiegenen Kosten für die Ausbildung: Vor drei Jahren lagen diese bei rund 32.000 Euro im ersten Lehrjahr und 40.400 Euro im dritten Lehrjahr. Gegengerechnet mit der Produktivität und bisherigen Förderungen koste eine Ausbildung rund 33.000 Euro. Wobei die Förderung inzwischen deutlich gekürzt wurde. Dabei helfe die betriebliche Lehre dem Staat, Geld zu sparen: Ein Lehrling koste die öffentliche Hand rund 6.700 Euro im Jahr, die überbetriebliche Berufsausbildung hingegen mehr als 23.000 Euro.
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