Als sich UAE-Teamkollege Tadej Pogacar als überlegen Führender bei der Vuelta a Espana bei einem Horrorsturz schwere Verletzungen zugezogen hat, fieberte der österreichische Radprofi Felix Großschartner bei der Vorbereitung auf die zurzeit laufende Tour of Britain vorm TV mit. Mit Pogacar verbindet Großschartner eine enge Freundschaft. Im Frühjahr hatte "Pogi" sogar in Linz beim Großschartners Kaffeeladen in Linz ("Drip Coffee Culture") vorbeigeschaut. Im Juli bei der Tour de France trat der Oberösterreicher als Edelhelfer für Pogacar auf dem Weg zu dessen Rekordsieg Nummer 5 in die Pedale. Entsprechend groß ist der Schock über das, was vor einer Woche bei der Vuelta passiert ist.
oe24: Felix, wie haben Sie den schweren Vuelta-Sturz Ihres UAE-Kollegen Tadej Pogacar erlebt?
Felix Großschartner: Gemeinsam mit Kollegen beim Teamkollegen vorm Fernseher. Das geht so schnell: Eine kurze Unaufmerksamkeit, ein Stein, und es haut dir den Lenker aus der Hand. Scheiße! Es hat schon beim Zuschauen wehgetan, wie ich ihn da liegen gesehen hab, wie er kurz versucht hat, noch weiterzufahren mit den Schürfwunden und den Schmerzen. Aber ich hab sofort gewusst: Das war's jetzt mit der Vuelta. Ich hab gleich gesehen, da ist was nicht in Ordnung.
oe24: Sie meinen das gebrochene Schlüsselbein ...
Großschartner: Das ist das Wenigste, das ist operiert und wird schnell heilen. Aber ein gebrochener Halswirbel, das ist nicht ohne. Dabei war Tadej so gut drauf. Bis zum Sturz hat alles gepasst bei Tadej. Danach wäre die WM gekommen und die EM bei Tadej daheim in Slowenien. Und plötzlich ist alles anders - so ist der Sport. Leider!
oe24: Hatten Sie danach Kontakt mit Pogacar?
Großschartner: Wir haben kurz geschrieben, wir sind ja auch befreundet.
oe24: Hätten Sie Pogacar bei der WM helfen können, oder geht es da nur um das eigene Land?
Großschartner: Das mti der WM hat sich bei Tadej inzwischen leider erübrigt (der Slowene beendete die Saison, d. Red.). Abgesehen davon schau ich bei der WM natürlich, dass ich das beste Ergebnis für mich raushole - für mich und für Österreich.
oe24: Trauen Sie sich am 27. September im WM-Straßenrennen in Montreal eine Medaille zu?
Großschartner: Das schafft vielleicht der Felix Gall in der Form, in der er sich zurzeit bei der Vuelta präsentiert. Er gehört mittlerweile zu den besten Radrennfahrern der Welt, so einen hat's noch nie gegeben in Österreich. Bei mir müsste schon alles zusammenpassen. Ich gehöre vielleicht zu den besten 20 dort, ein Top-10-Platz wäre schon super, eine Medaille ein Traum.
oe24: Wie lange wollen Sie noch für Pogacar in die Pedale treten?
Großschartner: Mein Vertrag bei UAE läuft noch bis nächstes Jahr, aber ich würde gerne verlängern beim besten Team der Welt. Da musst du alles geben, dass du mitgenommen wirst zur Tour (de France, d. Red.). Ich will dabei sein, wenn Tadej nächstes Jahr hoffentlich wieder um den sechsten Tour-Sieg fährt.
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