Streiks angedroht

Alarmstufe Rot in Wiens Kindergärten

Wohin die Zukunft sie wohl führen wird?
© APA/HANS PUNZ
Der Personalmangel hat ein dramatisches Ausmaß erreicht – rund 1.800 Pädagoginnen und Pädagogen fehlen, alleine 840 in den städtischen Einrichtungen. Die Gewerkschaft Younion schlägt Alarm und kündigt harte Maßnahmen an.
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„Heißer Herbst" – mit diesen Worten lässt Gewerkschafter Manfred Obermüller aufhorchen. Der Vorwurf: Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (Neos) schulde den Beschäftigten seit Langem ein neues Besoldungspaket. „Da ist Stillstand", so Obermüller im ORF-Interview. Ob ein Streik drohe? „Streik ist ein sehr weit gefächerter Begriff", lässt der Gewerkschafter offen – Dienststellenversammlungen sollen jedenfalls der Auftakt sein.

Unqualifiziertes Personal im Einsatz

Besonders brisant: In den städtischen Kindergärten werden derzeit Assistentinnen und Assistenten ohne pädagogische Ausbildung als vollwertige Pädagoginnen eingesetzt. Die zuständige MA 10 bestätigt den Missstand, verweist aber auf Gegenmaßnahmen wie Jobmessen und eine Ausbildungsoffensive.

Die Gewerkschaft fordert als Sofortmaßnahmen bessere Bezahlung, mehr Ausbildungsplätze und einheitliche Rahmenbedingungen bei den Gruppengrößen – die vom Bund angekündigten Weiterbildungsförderungen seien zu gering und eine „Minderwertschätzung". Im Herbst sollen Dienststellenversammlungen über die Lage informieren.

Lage spitzt sich dramatisch zu

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Waren im Mai noch 645 Stellen unbesetzt, sind es im Juni bereits 840 – ein Sprung um 200 offene Posten in nur einem Monat. MA-10-Leiterin Karin Broukal versucht zu beruhigen: „Wir sehen, dass die Maßnahmen greifen." Die Fakten zeichnen jedoch ein anderes Bild.

Zum Vergleich: Die Stadt beschäftigt aktuell 3.360 Elementarpädagoginnen und rund 4.180 Assistenzkräfte. Insgesamt gibt es in Wien 88.000 Betreuungsplätze für Kinder zwischen null und sechs Jahren, davon 33.000 in städtischen Häusern. Auch bei den Kinderfreunden, Wiens größtem privaten Kindergartenbetreiber, sind rund 200 pädagogische Stellen mit Personen ohne entsprechenden Abschluss besetzt.

„Frechheit" statt Wertschätzung

Besonders scharf fällt die Kritik der Gewerkschaft bei der Finanzierung aus. Drei Millionen Euro habe der Bildungsminister für die kommenden Jahre für die Ausbildung bereitgestellt – für Obermüller ein Skandal: „Das halte ich schlicht für einen Scherz. Eigentlich ist es eine Frechheit." Er spricht offen von „Minderwertschätzung" gegenüber dem Berufsstand. Aus dem Ministerbüro heißt es dagegen, zusätzlich zu den drei Millionen Euro Förderung fließen 32 Millionen Euro direkt in die Ausbildungen.

FPÖ zielt auf Wiederkehr

Auch politisch wird der Ton schärfer. FPÖ-Bildungssprecher Hermann Brückl sieht die Verantwortung klar bei Bildungsminister Wiederkehr: „Fünf Jahre lang war er als Wiener Bildungsstadtrat politisch verantwortlich, heute fehlen rund 1.800 Pädagogen, davon etwa 840 allein in städtischen Kindergärten. Wer jahrelang für diesen Bereich zuständig war, kann sich angesichts dieser Zahlen nicht aus der Verantwortung stehlen."

Grüne zerpflücken „pinke" Bildungspolitik

"Während die Wiener Kindergärten am Zahnfleisch daherkommen, setzt die zuständige Stadträtin lieber auf Befragung und PR-Kampagne statt auf echtes Handeln" – so die scharfe Kritik der Grünen Bildungssprecher Julia Malle und Felix Stadler. „Der Personalmangel im Kindergarten ist ein Managementversagen der Neos", so Malle und Stadler. Ihr Vorwurf: Gruppengrößen bleiben zu groß, Sprachförderkräfte fehlen weiterhin, und die mutlose Neos-Politik koste tausenden Wiener Kindern ihre Bildungschancen. Ausgebildete Elementarpädagoginnen würden dem Beruf den Rücken kehren – nötig seien attraktivere Arbeitsbedingungen, weniger administrative Last und kleinere Gruppen. Ihr Fazit nach sechs Jahren pinker Bildungspolitik fällt vernichtend aus: „Die traurige Bilanz ist, dass die Kinder in Wien nicht bessere, sondern schlechtere Bildungschancen haben."

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