Sachsen-Anhalt

Schicksalswahl – AfD-Mann tuckert mit Moped zur Stimmabgabe

Ulrich Siegmund (AfD), Spitzenkandidat und Co-Vorsitzender der AfD-Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt, kommt gemeinsam mit seiner Ehefrau Julia Siegmund auf einer Simson Schwalbe zur Stimmabgabe in ein Wahllokal.
© APA/dpa/Kay Nietfeld
Die rechtsextremistische Partei AfD könnte erstmals in einem deutschen Bundesland an die Regierung kommen. Sie will eine Alleinregierung stellen.
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Magdeburg. Im deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt haben am Sonntag in der Früh die Wahllokale für eine womöglich richtungsweisende Landtagswahl geöffnet. Bis 18.00 Uhr können rund 1,69 Millionen Wählerinnen und Wähler über einen neuen Landtag abstimmen. Das Ergebnis wird mit Spannung erwartet, weil die in dem Bundesland vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestufte AfD (Alternative für Deutschland) laut Umfragen erstmals die Aussicht auf eine absolute Mehrheit hat.

Ulrich Siegmund (AfD), Spitzenkandidat und Co-Vorsitzender der AfD-Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt, kommt gemeinsam mit seiner Ehefrau Julia Siegmund auf einer Simson Schwalbe zur Stimmabgabe in ein Wahllokal.
Ulrich Siegmund (AfD), Spitzenkandidat und Co-Vorsitzender der AfD-Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt, kommt gemeinsam mit seiner Ehefrau Julia Siegmund auf einer Simson Schwalbe zur Stimmabgabe in ein Wahllokal. © APA/AFP/JOHN MACDOUGALL

Deshalb ist das Interesse im In- und Ausland an der Abstimmung in dem kleinen ostdeutschen Bundesland besonders groß. Um 12.00, 14.00 und 16.00 Uhr will die Landeswahlleitung die vorläufige Wahlbeteiligung erheben. Mit ersten Zwischenergebnissen für die Wahlkreise wird ab 19.00 Uhr gerechnet. Das vorläufige amtliche Endergebnis soll in der Wahlnacht oder am frühen Montagmorgen vorliegen.

Sachsen-Anhalt, Tangermünde: Ein Wähler wirft seinen gefalteten Stimmzettel in die Wahlurne in einem Wahllokal. Heute wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt.
Sachsen-Anhalt, Tangermünde: Ein Wähler wirft seinen gefalteten Stimmzettel in die Wahlurne in einem Wahllokal. Heute wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. © APA/dpa/Kay Nietfeld

Die AfD liegt derzeit laut mehreren Umfragen mit gut 40 Prozent klar an der Spitze, dahinter folgt die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze mit etwas über 20 Prozent. Auch die Linke, die Sozialdemokraten (SPD) und die Grünen könnten in den Landtag einziehen, das linkspopulistische BSW und die liberale FDP würden demnach an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Es könnte am Abend zu einer Hängepartie kommen, wenn die AfD in die Nähe einer absoluten Mehrheit rückt oder das Ergebnis für das BSW um die Fünf-Prozent-Schwelle liegt, die zum Einzug in den Landtag berechtigt. Denn das BSW hat als einzige Partei eine mögliche punktuelle Zusammenarbeit mit der AfD angedeutet.

AfD macht aus Radikalität keinen Hehl

Für den Fall, dass die AfD eine absolute Mehrheit bekommen sollte, hat Siegmund radikale Veränderungen angekündigt. Falls er sie verfehlt, will er sich im neuen Landtag aber nicht einer Abstimmung zur Wahl des Ministerpräsidenten stellen. Siegmund schließt jede Koalition mit anderen Parteien aus.

Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat der AfD
Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat der AfD © Getty Images

Ministerpräsident Schulze wiederum hat angekündigt, dass er auf keinen Fall Minister von AfD und Linken ins Kabinett berufen oder Koalitionen mit diesen beiden Parteien bilden werde. Er ließ offen, wie er für eine Minderheitsregierung mit SPD und Grünen nötige Mehrheiten organisieren würde. Ein Modell gibt es in der CDU-geführten Minderheitsregierung in Sachsen, die einen sogenannten Konsultationsprozess etabliert hat, um in Einzelfragen Mehrheiten bei Abstimmungen zu erhalten. Hintergrund ist der Unvereinbarkeitsbeschluss der CDU, der eine formelle Zusammenarbeit mit AfD und Linken untersagt.

CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze
CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze © APA/AFP/RONNY HARTMANN

Für den Fall einer absoluten Mehrheit der AfD haben Bund und Länder in Deutschland bereits beraten, wie sie negative Auswirkungen einer mutmaßlich radikalen AfD-Politik auf andere Landesteile Deutschlands verhindern können. Die AfD wiederum sieht einen Wahlsieg in Sachsen-Anhalt als Auftakt zu einer Regierungsübernahme in ganz Deutschland.

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