Feierlichkeiten
70 Jahre Zweite Republik
Die Spitzenpolitik hat am Montag dem 70. Jahrestag der Wiedererrichtung der Republik gedacht. Rund 600 Gäste waren der Einladung von Bundespräsident Heinz Fischer zu einem Staatsakt in der Hofburg gefolgt. Dabei erinnerte er daran, dass Österreich nicht nur Opfer Hitler-Deutschlands war, sondern auch Täter. Betont wurde auch die besondere Verantwortung Österreichs bei der Flüchtlingshilfe.
70. Jahrestag der Republik
1 / 12
+++ LIVE-Ticker +++
Damit ist der Festakt zum 70. Gründungstag der 2. Republik in der Hofburg zu Ende.
Das Streichorchester spielt nun noch einmal die Bundeshymne, die Gäste erheben sich.
Zum Abschluss seiner Rede gratuliert Gauck Österreich zum 70. Geburtstag und weist noch einmal auf die gemeinsame Verantwortung hin.
Deutschland und Österreich verbindet gemeinsame Ideale und gemeinsame Werte, aber auch gemeinsame Verantwortung.
Der Dialog muss dabei immer vorrangig sein, die Menschenrechte immer verteidigt werden. Dies ist angesichts der Lage in der Ukraine wichtig. Territoriale Integrität ist ein wichtiges Gut. Damit kritisiert Gauck die Politik Russlands scharf.
„Ein gemeinsames Auftreten der europäischen Länder in der Außenpolitik sei unabdingbar.“ Gauck geht dabei auf Bedrohungen sowie mit dem Umgang mit Flüchtlingen ein.
Nun geht Gauck auf den europäischen Einigungsprozess ein. „Dialog trat an die Stelle der Feindschaft“, so der deutsche Bundespräsident. Darum sollte man auch den Jahrestag des österreichischen EU-Beitritts vor 20 Jahren gedenken. Gauck geht auch auf die Haltung Österreichs im Kalten Krieg ein, als man viele Flüchtlinge aufnahm.
Man soll sich an universellen Werten orientieren. An das Gemeinsame, den Menschenrechten und der individuellen Würde.
Nun spricht Gauck über die Rede Bundeskanzlers Vranitzky (ebenfalls anwesend), der 1991 erstmals die Schuld Österreichs thematisierte. Dies sei ein wichtiger Schritt gewesen.
Beide Länder standen vor ähnlichen Problemen. Auch Gauck weist darauf hin, dass der Umgang mit der Vergangenheit nicht immer optimal war.
"Deutschland und Österreich gehen seit 1945 getrennte Wege, haben aber eine enge Verbindung. Beide Länder haben damit gute Erfahrungen gemacht."
Der Anschluss verspielte jede Zukunftschance einer gemeinsamen Zukunft, die zuvor oftmals debattiert wurde.
„Unsere Völker verbindet eine jahrhundertelange gemeinsame Geschichte.“
„Die Bürger Österreichs und der BRD wissen ganz genau, warum wir den Siegeszug der Alliierten als Befreiung bezeichnen. Heute lebt man in Europa als Freunde zusammen.“ Gauck geht damit auf das enge Verhältnis zwischen Österreich und Deutschland ein.
Noch immer gab es im April 1945 Terror des Nationalsozialismus. Gauck weist auf die Verbrechen gegen jene hin, die die Kapitulation forderten.
Joachim Gauck betritt die Bühne
Der deutsche Bundespräsident begrüßt die anwesenden Gäste. Gauck beginnt damit, dass er gestern erst das KZ Bergen-Belsen besuchte. Er sei dankbar, dass er heute hier sprechen darf.
Gauk wird bei seinem Wien-Besuch von seiner Partnerin Daniela Schadt begleitet.
(c) APA
Einige Gäste haben sich nach der bewegenden Rede Fischers erhoben. In Kürze spricht sein deutscher Amtskollege Joachim Gauck.
Zum Abschluss dankt Fischer den Pionieren und Baumeistern der 2. Republik.
Flüchtlinge
Fischer spannt den Bogen auf die Flüchtlingskatastrophe der vergangenen Woche. Auch hier sei Menschenwürde gefragt, auch hier geht es um Menschenrechte. Der Umgang mit Flüchtlingen müsse diskutiert werden.
(c) APA
Fischer bedankt sich bei den Alliierten. Er werde daher am 8. Mai am sowjetischen Grab einen Kranz niederlegen. Ein Besuch bei Putin in Moskau hatte der Bundespräsident abgelehnt.
„Österreich ist aus einer unmenschlichen Diktatur befreit worden. Die Besetzung hat – trotz mancher Verbrechen - die Entwicklung Österreichs zu einem demokratischen europäischen Staats ermöglicht.“
Fischer weist darauf hin, dass man jenen Menschen, die vom NS-Regime flüchteten, die Staatsbürgerschaft anbieten hätte sollen. Dies sei ein großer Fehler gewesen.
Auch Fehler
Fischer erwähnt den Umgang mit der NS-Vergangenheit und den Umgang mit den Opfern. Der Bundespräsident geht dabei auf den Opfer-Mythos ein. „Das Übel des Nationalsozialismus kam von außen, wir waren die Opfer“. Diese Meinung wurde jahrzehntelang aufrechterhalten und störte die Entwicklung Österreichs. „Ein deprimierend großer Teil der Österreicher waren Sympathisanten und auch Täter. Viele schauten weg.“
„Man muss aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und das Gemeinsame loben“. Damit lobt Fischer auch die Errungenschaften der Großen Koalition manch 1945.
Bereits im Herbst 1945 gab es die ersten allgemeinen, freien Wahlen in Österreich seit 1930. SPÖ und ÖVP waren die Gewinnen er Wahl, die KPÖ verlor stark, der Kommunismus hatte damit keine Grundlage mehr.
Im Jahr 1945 gab es ca. 1 Million Flüchtlinge auf österreichischem Boden. Auch darauf weist Fischer hin.
Erst am 8. Mai erfolgte die Kapitulation Nazi-Deutschlands. Damit war der Grundstein für die Errichtung der 2. Republik gelegt. Österreich war jedoch von den 4 Alliierten besetzt, die Städte und Infrastruktur waren zerstört.
Fischer erzählt aus seiner Jugend
Im Schuljahr 1944/45 besuchte Fischer die 1. Klasse Volksschule. Bereits damals hat sich in seinem Gedenken eingeprägt, dass Krieg und Unrecht Gebrüder sind. Fischer verdeutlicht auch noch einmal, dass am 27.4. noch immer gekämpft und in den Konzentrationslagern gemordet wurde.
Der 27.4.1945 markierte einen Neubeginn. Diesem Neubeginn Österreichs soll heute gedacht werden.
Erstmals nimmt ein Staatsmann aus Deutschland an den Feierlichkeiten teil. „Es sei ein besonderer Moment“, dass Gauck anwesend sei. Das Verhältnis zu Deutschland war immer eng, manchmal „verhängnisvoll eng“, so Fischer.
Fischer weist auf die dramatischen Ereignisse des Frühjahrs 1945 hin. Der Bundespräsident gedenkt der unmenschlichen Nazi-Diktatur und des Holocaust.
Bundespräsident Fischer betritt die Bühne
Fischer beginnt mit seiner Rede und begrüßt die anwesenden Gäste.
In der ersten Reihe hat die Bundesregierung Platz genommen. Dahinter wohnen auch alle 9 Landeshauptleute dem Festakt bei.
Die Klänge eines Streichorchesters verdeutlichen die Stimmung der Wirren des Jahres 1945 zwischen Diktatur, Krieg und Neuanfang. Bald beginnen die Reden.
Auch hohe Geistliche aller Konfessionen nehmen am Festakt teil. Unter ihnen auch Kardinal Schönborn.
Unter den Gästen befinden sich Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Auch einige ehemalige Bundeskanzler, wie z.B. Wolgang Schüssel, sind anwesend. Auch die Sozialpartner, eine der wichtigsten Säulen der 2. Republik, sind natürlich dabei.
Bevor Bundespräsident Fischer und sein deutscher Amtskollege Gauck Reden halten, wird noch einmal den Ereignissen im Frühjahr 1945 gedacht.
Festakt beginnt
Alle Gäste haben Platz genommen, der Festakt beginnt zu den Klängen der Bundeshymne.
Noch immer heftige Kämpfe
Am 27.4.1945 war der größte Teil Österreichs noch nicht befreit. Amerikaner, Briten und Franzosen rückten im Westen und Süden vor, heftige Schlachten wurden noch geführt. Unter dem Schlagwort "Alpenfestung" befürchtete man einen lang anhaltenden Guerilla-Krieg in den Alpen. Anfang Mai war dann ganz Österreich befreit.
Festakt beginnt um 11 Uhr
Der Festakt in der Hofburg beginnt um 11 Uhr. Die gesamte Spitze der Republik wird daran teilnehmen.
Regierung auf Wunsch Stalins
Die schnelle Regierungsbildung kam auf Wunsch Stalins zu Stande. Zu diesem Zeitpunkt war der Westen Österreichs noch nich befreit. Die westlichen Alliierten befürchteten eine kommunistische Regierung in Wien. Erst nach einigen Monaten wurde die Regierung Renner auch von den USA und Großbritannien anerkannt.
Opfer-Mythos
In der Unabhängigkeitserklärung wird Österreich als erstes Opfer des Nationalsozialismus bezeichnet. Damit wollte man jede Schuld von sich weisen. der Opfer-Mythos begleitete Österreich noch Jahrzehnte.
Fischer und Gauck
Die Gedenkveranstaltung in der Hofburg beginnt in Kürze. Neben Bundespräsident Heinz Fischer wird auch der deutsche Präsident Gauck eine Rede halten. Auch die gesamte Bundesregierung wird der Veranstaltung beiwohnen.
Drei Parteien
Die Unabhängigkeitserklärung wurde am 27.4.1945 von den drei bestehenden Parteien SPÖ, ÖVP und KPÖ unterzeichnet. Diese waren dann auch in der Provisorischen Regierung vertreten.
Faymann: "Werte nicht selbstverständlich"
"Dieses neue Österreich ist sprichwörtlich aus den Trümmern des Zweiten Weltkriegs - der größten Katastrophe des 20. Jahrhunderts - auferstanden. Mit einem großen Arbeitseinsatz der Bevölkerung und einem gemeinsamen, partnerschaftlichen Aufbau der Großparteien, die ihre Lehren aus dem Bürgerkrieg von 1934 gezogen hatten, wurde unser Land wieder aufgebaut", so Bundeskanzler Werner Faymann. "Heute haben wir die Verpflichtung, den nachkommenden Generationen nicht nur die gleichen Chancen auf ein Leben in Freiheit, Wohlstand und Selbstbestimmung zu ermöglichen - so wie es uns ermöglicht wurde -, sondern wir müssen den Österreicherinnen und Österreichern, die keinen Krieg erlebt haben, auch vermitteln, dass diese Werte nicht selbstverständlich sind und immer wieder neu behauptet werden müssen", sagte der Bundeskanzler.
Unabhängikeitserklärung vor Hitlers Selbstmord
Die Proklamation der Unabhängigkeit erfolgte im April 1945 - nur gut zwei Wochen nach der Befreiung Wiens durch die sowjetischen Truppen, noch vor der Kapitulation der deutschen Wehrmacht (am 8. Mai) und drei Tage vor dem Selbstmord Adolf Hitlers. Im Westen Österreichs fanden noch Kampfhandlungen statt.
Kranzniederlegung
In der Früh legten Bundespräsident Heinz Fischer und die Bundesregierung beim Staatsgründungsdenkmal Kränze nieder.
OE24 TV Live-Stream
OE24 TV Live-Stream
Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden