Ukraine-Krieg
Stimmung in Russland kippt wegen Drohnenangriffen
Lange Zeit war der Ukraine-Krieg für die Menschen in Moskau kaum spürbar. Das hat sich nun drastisch geändert. Wie die jüngsten Ereignisse zeigen, bringen ukrainische Drohnenangriffe den Konflikt tief nach Russland. In der Nacht auf Donnerstag schoss die russische Flugabwehr nach Angaben des Verteidigungsministeriums landesweit 555 ukrainische Drohnen ab. Der staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge handelte es sich um einen der größten Angriffe auf Russland in diesem Jahr. Allein über Moskau habe die Flugabwehr rund 180 Drohnen abgefangen, teilte Bürgermeister Sergej Sobjanin auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Bewohner mussten evakuiert werden.
Mehrere Drohnen seien bis zu einer Raffinerie im südöstlichen Stadtbezirk Kapotnja durchgedrungen, erklärte Sobjanin. Ein Augenzeuge berichtete von Flammen und Rauchwolken über der Anlage. Für die Raffinerie war es der zweite Treffer in dieser Woche.
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Angst vor weiteren Angriffen wächst
Der Moskauer Soziologe Lew Gudkow vom Institut "Lewada" sieht einen klaren Stimmungswandel. Gegenüber dem Magazin "Stern" sagte er: "Die Menschen fühlen sich von den Attacken bedroht." Die Furcht vor Drohnen steht mittlerweile auf Platz zwei der größten Sorgen der Bevölkerung, gleich hinter den steigenden Preisen, berichtet der "Stern". Trotz dieser massiven Verunsicherung fordern viele Bürger jedoch keinen Frieden, sondern vielmehr ein noch härteres Vorgehen gegen das Nachbarland.
Abnutzungsstrategie trifft die Wirtschaft
Die Attacken sind Teil einer umfassenden Taktik, wie Militärexperte Fabian Hoffmann gegenüber "ZDFheute" betonte: "Man geht auf die Industrie, man geht auf die Wirtschaft". Die Folgen sind bereits enorm: Die anhaltenden ukrainischen Angriffe auf russische Energieanlagen verschärfen die Treibstoffkrise in Russland. Der weltweit drittgrößte Ölproduzent wird Insidern zufolge in diesem Monat Benzin auf dem Seeweg importieren müssen, um Engpässe zu vermeiden.
Russische Luftabwehr massiv unter Druck
Ein weiterer kritischer Punkt ist die eigene Flugabwehr. Hoffmann erklärte dazu: "Es kommen mittlerweile so viele ukrainische Drohnen und Marschflugkörper angeflogen, dass die russische Flugabwehr sich enorm schwer damit tut."
Verschwiegene Schäden und neue Verbote
Während der Kreml die Schäden weitgehend verschweigt und Staatsmedien vorwiegend über abgeschossene Fluggeräte berichten, bekommen die Bewohner die Auswirkungen hautnah mit. The "Moscow Times" berichtet von geschlossenen Flughäfen, Rauchwolken und fehlenden Warnmeldungen. Um die Verbreitung von Bildern zu stoppen, ist die Dokumentation solcher Vorfälle inzwischen strikt verboten. Der Propagandist Wladimir Solowjow forderte sogar Haftstrafen für Zuwiderhandlungen. Für die Staatsführung wird es somit zunehmend schwerer, die Illusion eines ungestörten Alltags aufrechtzuerhalten.
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