ÖVP unter Druck

U-Ausschuss: Wilder Streit um Pilnacek-Laptop

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Die FPÖ spricht von einem "tiefen schwarzen Staat", die ÖVP kontert mit "Verschwörungserzählungen" und möglicher Befangenheit. Auch Grünen, NEOS und SPÖ übten Kritik.
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Mit gleich vier Befragungen setzt der Untersuchungsausschuss zur Causa Pilnacek am Mittwoch seine Arbeit fort. Wieder soll es vorrangig um den Laptop des verstorbenen Ex-Justiz-Sektionschefs Christian Pilnacek gehen. Laut einer kürzlich eingelangten Auswertung des Geräts durch die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) soll Pilnacek auch nach seiner Suspendierung Nebenjobs nachgegangen sein, etwa vornehmlich ÖVP-nahe Personen und Politiker beraten haben.

Sitzung des Pilnacek-Untersuchungsausschusses im österreichischen Parlament in Wien.
U-Ausschuss. © APA/HELMUT FOHRINGER

Auch justizinterne E-Mails könnte der verstorbene Sektionschef an Personen im Umfeld von Beschuldigten nach außen gespielt haben, berichtete der "Standard" am Dienstag. Der Bericht belege "wie der tiefe schwarze Staat agiert", sagte der FPÖ-Abgeordnete Michael Schilchegger vor Beginn der Befragungen. Er erkannte eine enge Vernetzung zwischen Pilnacek und der ÖVP-Spitze, habe der Spitzenbeamte doch in Strafverfahren gegen Personen aus der ÖVP aufseiten der Verteidiger agiert. Zur Datenauswertung habe man einige Fragen an die erste Auskunftsperson, einen Oberstaatsanwalt der WKStA, der den Bericht verfasst hat.

Ein Mann im Anzug spricht auf einer Pressekonferenz und gestikuliert mit den Händen.
Michael Schilchegger. © APA/ROLAND SCHLAGER

Justizbeamter und "Helfer für die ÖVP"

Ähnlich sahen das fast alle anderen Parteien. Pilnacek sei "höchstrangiger Justizbeamter" und gleichzeitig "Helfer für die ÖVP" gewesen, so die Fraktionsführerin der Grünen, Nina Tomaselli. Es sei bemerkenswert, mit welcher Selbstverständlichkeit die ÖVP auf Pilnacek zurückgegriffen habe. "Was war das Gegengeschäft?", fragte sich NEOS-Fraktionsführerin Sophie Wotschke. Geld sei keines geflossen, kostenlose Beratungen seien aber "eher unüblich".

Eine Frau spricht an einem Rednerpult im österreichischen Parlament.
NEOS-Fraktionsführerin Sophie Wotschke. © APA/HELMUT FOHRINGER

Auch SPÖ-Fraktionsführer Jan Krainer hält den Auswertungsbericht für "sehr, sehr relevant"; er mache deutlich, wie Einfluss auf Strafverfahren genommen wurde. Er erkannte ein Netzwerk von hohen Beamten, dem auch der Leiter der Oberstaatsanwaltschaft (OStA) Wien, Johann Fuchs, angehöre. Dieser müsse sich erklären, meinte Krainer.

Ein Mann im Anzug spricht gestikulierend am Rednerpult vor dem Logo des österreichischen Parlaments.
SPÖ-Fraktionsführer Jan Krainer. © APA/HELMUT FOHRINGER

Für ÖVP-Fraktionsführer Andreas Hanger bilden weiterhin "Verschwörungserzählungen" die Basis des U-Ausschusses. Auch er hat einige Fragen zum Auswertungsbericht. Für ihn steht allerdings das Thema Befangenheit im Zentrum, schließlich habe mit der WKStA die Behörde den Bericht erstellt, "die jahrelang in Konflikt mit Pilnacek gestanden ist".

Ein Mann spricht bei einer Pressekonferenz und gestikuliert vor Mikrofonen.
ÖVP-Fraktionsführer Andreas Hanger. © APA/HELMUT FOHRINGER

FPÖ überlegt Verlängerung

Weiter gehen die Befragungen am Mittwoch dann mit der Kabinettschefin von Innenminister Gerhard Karner (ÖVP), Iris Drexler. Die Antworten könnten die Abgeordneten gut für die Befragung Karners selbst am Donnerstag brauchen. Auch Exekutivbeamte wurden für Mittwoch geladen: ein Oberst und ein Gruppeninspektor des Landespolizeikommandos Niederösterreich, die mit Pilnaceks Geisterfahrt vor dessen Tod zu tun hatten.

Nina Tomaselli sitzt mit anderen Personen bei einer Ausschusssitzung im Parlament in Wien.
Grünen-Fraktionsführerin Nina Tomaselli. © APA/ROLAND SCHLAGER

Der U-Ausschuss neigt sich indes seinem Ende zu. Über eine Verlängerung denkt die FPÖ laut Schilchegger allerdings nach. Bis zum 22. Oktober soll darüber entschieden werden.

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