Schützen-Aufmarsch

Streit um Österreich-Flagge in Südtirol

Panoramablick auf Bozen mit historischen Gebäuden und Bergen im Hintergrund bei klarem Wetter.
© Getty Images/iStockphoto
1.000 Schützen beteiligten sich am "Großen Österreichischen Zapfenstreich"
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Mit einem Aufmarsch und dem Hissen der österreichischen Flagge haben die Südtiroler Schützen am Vorabend des österreichischen Nationalfeiertags ihre Verbundenheit mit dem Land unterstrichen. Die Veranstaltung auf dem Waltherplatz in Bozen löste eine politische Kontroverse aus. Der Südtiroler Abgeordnete der italienischen Regierungspartei Fratelli d'Italia (FdI), Alessandro Urzì, kritisierte den Aufmarsch scharf.

Rund 1.000 Schützen aus verschiedenen Teilen Südtirols nahmen am Sonntagabend am "Großen Österreichischen Zapfenstreich" teil, wie das Südtiroler Nachrichtenportal "stol.it" berichtete. Die militärmusikalische Veranstaltung lockte zahlreiche Besucher in die Bozner Innenstadt. Die Teilnehmer marschierten mit einer großen österreichischen Fahne zum Waltherplatz, wo sie gehisst wurde. Unter den Gästen waren die Südtiroler Landeshauptmann-Stellvertreterin Rosmarie Pamer (SVP), der frühere Landeshauptmann Luis Durnwalder (SVP) und der österreichische Generalkonsul in Mailand, Wolfgang Lukas Strohmayer.

Schützen verweisen auf historische Verbundenheit

Landeskommandant Christoph Schmid bezeichnete die Veranstaltung als Ausdruck der historischen und kulturellen Verbundenheit Südtirols mit Österreich. Die gemeinsame Identität müsse trotz der Staatsgrenze bewahrt und an kommende Generationen weitergegeben werden. Südtirol sei eine österreichische Minderheit innerhalb des italienischen Staates, sagte Schmid.

Zugleich kritisierte er Unstimmigkeiten mit den Behörden im Vorfeld der Veranstaltung. Dabei sei es unter anderem um das Hissen der österreichischen Fahne und Einschränkungen bei den traditionellen Ehrensalven gegangen. Die Einwände seien für den Schützenbund nicht nachvollziehbar gewesen.

Urzì warnt vor nationalistischer Provokation

Urzì warf den Veranstaltern vor, mit dem Aufmarsch die Südtiroler Autonomie infrage zu stellen und die internationalen Vereinbarungen zu untergraben, auf denen diese beruhe. Die Autonomie sei ein Abkommen, das auf gegenseitiger Loyalität basiere. Wer territoriale Ansprüche erheben wolle, müsse diese in Wien oder Innsbruck vorbringen und dürfe sie nicht durch einen Aufmarsch in Bozen zum Ausdruck bringen.

In einem Beitrag auf Facebook bezeichnete Urzì die Veranstaltung als nationalistische Provokation und stellte einen Vergleich zur nationalsozialistischen Anschlussidee her. Zugleich äußerte er die Überzeugung, dass die politischen Beziehungen zwischen Österreich und Italien durch solche Aktionen nicht gefährdet würden.

Knoll weist Vorwürfe zurück

Der Landtagsabgeordnete der oppositionellen Süd-Tiroler Freiheit, Sven Knoll, verteidigte die Zeremonie und warf Urzì vor, die geschichtliche Identität der Südtiroler anzugreifen. Es sei unzulässig, das Bekenntnis zu Heimat, Geschichte und Österreich in die Nähe des Nationalsozialismus zu rücken. "Wer den großen Österreichischen Zapfenstreich mit dem nationalsozialistischen Anschluss gleichsetzt, betreibt keine sachliche politische Auseinandersetzung, sondern Geschichtsklitterung", erklärte Knoll. Die Schützen seien keine Provokateure, sondern Menschen, die sich zu ihrer Geschichte, ihrer Heimat und ihrer österreichischen Identität bekennen.

"Wir brauchen keine Belehrungen darüber, welches Vaterland wir haben dürfen und welche Geschichte wir erinnern dürfen. Unsere Identität ist keine Provokation", sagte Knoll. Gerade am österreichischen Nationalfeiertag sei es wichtig, an die historische Verbundenheit zwischen Österreich und Südtirol zu erinnern.

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