Mehr als der zähe Wechsel an der Parteispitze könnte der SPÖ die Wiederbelebung einer alten Achse helfen. Die mächtigen Landesorganisationen aus Wien und dem Burgenland haben seit jenen mittlerweile fast schon legendären Treffen vor gut einer Woche, als der Abschied von Parteichef Andreas Babler besiegelt wurde, ihr Kriegsbeil begraben und wollen nun wieder gemeinsam voran schreiten, wie es gegenüber der APA hieß.
Auch interessant
Bei einem Thema hat man nun schon zusammengefunden - nämlich, was die Pensionen betrifft. AMS-Vorstand Johannes Kopf hat am Sonntag eine Anhebung des Antrittsalters als mehr oder weniger alternativlos geschildert. Dem treten die beiden Landeschefs nun gemeinsam entgegen. Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) rechnet vor, dass das faktische Antrittsalter in den vergangenen 25 Jahren stärker gestiegen sei als die Lebenserwartung. Der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil meint, die Antwort auf die langfristige Sicherung des Pensionssystems könne nicht sein, "den Menschen einfach ein paar Arbeitsjahre zusätzlich umzuhängen", wie ihn "Heute" zitiert.
Ludwig und Doskozil finden wieder Gemeinsamkeiten
Wie zu hören ist, dürften die Pensionen nicht das einzige Thema sein, wo die beiden Landeschefs wieder Gemeinsamkeiten in den Vordergrund stellen wollen. Inhaltlich sind Ludwig und Doskozil ohnehin in diversen Materien auf einer Linie, nur stimmte das früher ausgezeichnete Klima zwischen ihnen seit einigen Jahren nicht mehr.
Das eingetrübte Verhältnis hatte bei der Wahl des SPÖ-Chefs im Jahr 2023 den Tiefpunkt erreicht, als Ludwig Doskozils Avancen auf den Bundesparteivorsitz nicht unterstützte. Insider meinen, dass Babler nur durch die Delegierten-Stimmen der Stadtpartei zu einer Mehrheit am Parteitag von Linz kam - und das weniger, weil die Wiener den damaligen Traiskirchener Bürgermeister an der Spitze wollten, als weil man Doskozil verhindern wollte.
MEHR STORIES IM OE24 E-PAPER LESEN
Für die eingebettete Ausgabe ist Ihre Cookie-Zustimmung für APA und Chartbeat erforderlich. Alternativ können Sie die Ausgabe direkt öffnen.
Nunmehr scheint sich das Verhältnis wieder in die andere Richtung zu kehren. Beim Treffen der Landesparteivorsitzenden unter sich, dem eines mit Babler folgte, war Teilnehmern schon die freundliche Stimmung zwischen den langjährigen Kontrahenten (angenehm) aufgefallen. Dies dürfte nicht nur eine Moment-Aufnahme gewesen sein. Eine wieder belebte Achse zwischen den beiden starken Landeschefs aus dem Osten hätte auch Auswirkungen auf das Machtgefüge der Partei. Treten Ludwig und Doskozil gemeinsam auf, hemmt das einerseits auch nach außen Streitigkeiten und bringt andererseits eine Machtbastion, an der innerparteilich nicht viel vorbeigeht.
OE24 TV Live-Stream
OE24 TV Live-Stream
Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden