Teils auf freiem Fuß

Sicherheitsrisiko: 250 Islamisten ohne Betreuung

Person mit Mütze hält rote Rauchfackel, dichter Rauch verdeckt teilweise das Gesicht.
© Getty Images
Wegen der vermuteten Nähe zur Ideologie der Muslimbruderschaft hat das Justizministerium die Zusammenarbeit mit der Deradikalisierungsstelle "Derad" beendet.
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Nachdem das Justizministerium die Zusammenarbeit mit der Deradikalisierungsstelle "Derad" für beendet erklärt hat, warnt der Verein mit Sitz in Wien-Mariahilf vor einem "Sicherheitsrisiko". 250 Islamisten stünden nun ohne Betreuung da, 90 von ihnen befänden sich nach einer bedingten Entlassung derzeit auf Bewährung - und somit auf freiem Fuß.

Für die rund 160 Insassen in den hiesigen Justizanstalten findet nun keine Betreuung mehr statt, auch eine "kritische Analyse der Schriften und Bücher in Justizanstalten" gibt es jetzt nicht mehr, teilt der Verein mit. Aus dem Justizministerium wurde der APA auf Anfrage inzwischen bestätigt, dass Derad-Mitarbeiter ab sofort keinen Zugang zu Justizanstalten mehr haben. Zu einer Versorgungslücke bei der Deradikalisierung von Inhaftierten und Haftentlassenen werde es aber nicht kommen, heißt es.

Bezüge zur Ideologie der Muslimbruderschaft

Anstoß zum Ende der Zusammenarbeit zwischen Ministerium und Verein soll jener Umstand sein, dass im Verein tätige Akteure Bezüge zur Ideologie der Muslimbruderschaft aufweisen sollen. Indes betonte Derad am Montag neuerlich, man stehe der Muslimbruderschaft nicht nahe, sondern habe stets vor ihr gewarnt, und kritisierte die mangelnde Kommunikation seitens des Innen- und Justizministeriums: "Wir sind überrascht und verärgert, dass nach mehr als zehn Jahren Zusammenarbeit vor der öffentlichen Erhebung der Vorwürfe kein Gespräch mit uns gesucht wurde. Wir hätten zumindest die Möglichkeit erwartet, zu den konkreten Vorwürfen, die uns nicht einmal näher bekannt sind, Stellung nehmen zu können."

Laut Innenministerium gebe es noch andere auf Deradikalisierung spezialisierte Vereine. Zum anderen sollen sich in den Justizanstalten interdisziplinäre Fachteams aus den Fachgebieten der Psychologie und der Sozialarbeit, Verbindungsbeamte und die Vollzugsleitung mit den betroffenen Insassen befassen, um deliktspezifische Maßnahmen bzw. Interventionen zur Deliktprävention in die Wege zu leiten. Ob der Bewährungshilfeverein "Neustart" - ebenfalls in Wien ansässig - zumindest einen Teil der Islamisten übernehmen wird, ist indes mehr als fraglich. Auch hier befürchtet man nämlich massive Budgetkürzungen, was den Personalstand und somit die Betreuungskapazitäten künftig deutlich einschränken dürfte.

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