Fehlende Stunden
Schüler verklagt Staat wegen Unterrichtsausfalls
Deutschland. Der 20-jährige Elija W. hat rechtliche Schritte eingereicht, da an seinem Gymnasium im rheinland-pfälzischen Landau drastisch viele Schulstunden ausgefallen seien. Laut "Spiegel" dokumentierte der junge Mann gemeinsam mit seinen Eltern seit dem Sommer 2022 akribisch den Stundenplan seiner elften Klasse. Als er im Frühjahr des vergangenen Jahres schließlich sein Abitur ablegte, bilanzierte die Familie das Ausmaß: Insgesamt 405 von 2.478 Unterrichtsstunden fanden schlichtweg nicht statt.
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Hunderte Stunden vor Prüfung ausgefallen
Besonders gravierend war die Situation in den drei Leistungskursen des Schülers. Im zweiten Halbjahr der 12. Klasse fiel beinahe jede zweite Stunde aus, in der 13. Klasse (Anm. Abiturjahrgang, 13. Schulstufe gibt es an österreichischer AHS nicht. Hierzulande ist die 8. Klasse Oberstufe (12. Klasse in Deutschland) die Maturaklasse) war es immer noch ein Drittel. Eine erste Beschwerde bei der Schulaufsichtsbehörde ADD blieb ohne den gewünschten Erfolg. Die Behörde verwies darauf, dass die verpflichtenden 60 Prozent der Unterrichtszeit eingehalten worden seien. Auch das zuständige Bildungsministerium räumte lediglich einen allgemeinen Vertretungsbedarf an Gymnasien ein.
Klage wegen verletzter Chancengleichheit
Elija W. sieht durch das Ausmaß die Chancengleichheit bei seinen Prüfungen verletzt und fordert nun gerichtlich eine Neubewertung der Noten in den betroffenen Fächern. "Wenn so viel Unterricht ausfällt, dann entscheidet nicht mehr Leistung, Fleiß oder Begabung über das Abitur, dann entscheidet, wer zu Hause Hilfe bekommt, wer Nachhilfe bezahlen kann, wer einen ruhigen Schreibtisch und familiären Rückhalt hat", sagte Elija W. gegenüber "Spiegel". "So wird aus Unterrichtsausfall soziale Auslese."
Gewerkschaften warnen vor Lehrermangel
Vorherige Versuche vor dem Verwaltungsgericht Neustadt und dem Oberverwaltungsgericht Koblenz blieben erfolglos, da laut den Richtern ausschließlich die Leistung in den eigentlichen Prüfungen zählt. Der Fall rückt jedoch ein strukturelles Problem in den Fokus. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) warnt regelmäßig vor den Folgen des akuten Lehrkräftemangels, durch den bis zum Jahr 2030 bundesweit rund 14.000 Lehrkräfte fehlen könnten.
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