Lage spitzt sich zu
"Schlag ins Kontor": Putin schwer blamiert
Der Krieg, den Russland vor mehr als vier Jahren gegen die Ukraine begonnen hat, erreicht nun auch Moskau. Mit einem der bislang größten Drohnenangriffe auf russisches Territorium hat die Ukraine gezeigt, wie verwundbar selbst die am stärksten geschützten Regionen Russlands geworden sind. Besonders peinlich für den Kreml: Nach Berichten russischer und ukrainischer Beobachter könnte ein spektakulärer Brand in einer wichtigen Ölraffinerie sogar von der eigenen Luftabwehr verursacht worden sein.
In der Nacht auf Donnerstag schickte die Ukraine nach russischen Angaben insgesamt 555 Drohnen in Richtung russisches Staatsgebiet. Allein über Moskau sollen rund 180 Flugobjekte abgefangen worden sein. Dennoch kam es zu mehreren Einschlägen und Bränden. Besonders betroffen war die Kapotnja-Raffinerie im Südosten der Hauptstadt, eine der wichtigsten Treibstoffquellen für den Großraum Moskau.
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Nicht einmal Moskau ist sicher
Videos, die in sozialen Netzwerken kursieren, sollen zeigen, wie eine russische Flugabwehrrakete eine ukrainische Drohne verfehlt und anschließend auf dem Gelände der Raffinerie einschlägt. Kurz darauf folgt eine gewaltige Explosion, schwarze Rauchwolken steigen über der Millionenmetropole auf. Eine unabhängige Bestätigung der Aufnahmen gibt es bislang nicht. Mehrere Militärbeobachter halten die Darstellung jedoch für plausibel.
Für den Kreml wäre ein solcher Vorfall besonders unangenehm. Jahrelang präsentierte sich Russland als militärische Großmacht mit nahezu undurchdringlicher Luftabwehr. Nun gelingt es der Ukraine immer häufiger, Ziele tief im russischen Hinterland anzugreifen – selbst in unmittelbarer Nähe des Machtzentrums.
Der langjährige CNN-Korrespondent Fred Pleitgen sprach deshalb von einer zunehmenden Belastung für das Putin-Regime. Im Gespräch mit Paul Ronzheimer (Podcast Ronzheimer) sagte der Experte: "Die Probleme sind für Wladimir Putin noch größer geworden." Die Ukraine habe es geschafft, den militärischen und wirtschaftlichen Druck auf Russland deutlich zu erhöhen.
Besonders die Angriffe auf die Energie-Infrastruktur treffen Moskau empfindlich. "Die großflächigen Drohnenangriffe der Ukrainer machen den Russen enorm zu schaffen", erklärte Pleitgen. In Moskau gebe es bereits eine Treibstoffknappheit, nun sei auch noch die größte Raffinerie der Region getroffen worden. Sein Fazit: "Das ist schon ein Schlag ins Kontor – vor allem, weil die Russen ja eigentlich gewarnt sind. Also die haben ja ihre Luftabwehr, die gerade um Moskau enorm stark zu sein schien. Aber selbst die konnte das nicht verhindern."
"Gewisse Hoffnungslosigkeit"
Nach Einschätzung des CNN-Reporters beschädigen die Angriffe vor allem das Bild der Unverwundbarkeit, das der Kreml seit Jahren vermitteln will. "Das schwächt das Vertrauen in die Regierung Putin", sagte Pleitgen im Podcast Ronzheimer. Zwar sehe er derzeit keine unmittelbare Gefahr für Putins Herrschaft, dennoch breite sich eine gewisse Ernüchterung aus. "Aber es ist schon eine gewisse Hoffnungslosigkeit, die sich jetzt breitmacht."
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Die Angriffe treffen Russland dabei in einer ohnehin schwierigen Lage. Die Kriegskosten steigen weiter, die Wirtschaft steht unter Druck und die Inflation belastet viele Haushalte. Gleichzeitig gelingt es Russland trotz hoher Verluste bislang nicht, seine strategischen Ziele in der Ukraine entscheidend zu erreichen.
Pleitgen sieht deshalb eine gefährliche Entwicklung für Moskau: "An der Front ist kein Ende in Sicht. Es ist wirtschaftlich immer schwieriger. Die Inflation wird auch immer höher, die Arbeitslosigkeit wird höher."
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"Nicht die Sowjetunion"
Besonders problematisch sei zudem die demografische Situation. "Russland ist, was die Bevölkerungszahl angeht, nicht mehr die Sowjetunion. Und man kann sich mittlerweile nur noch in einem gewissen Umfang leisten, jeden Monat so viele Soldaten zu verlieren", warnte der Journalist. Ohne einen grundlegenden Strategiewechsel sehe er derzeit nicht, "wie die ihre Ziele in nächster Zeit erreichen wollen."
Für die Ukraine haben die Angriffe inzwischen auch eine symbolische Bedeutung. Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete die Attacken auf russische Energieanlagen als Teil seiner "Langstrecken-Sanktionen". Die Botschaft ist klar: Wenn Russland ukrainische Städte angreift, soll auch die russische Bevölkerung die Folgen des Krieges zu spüren bekommen.
Dass die jüngsten Angriffe ausgerechnet zeitgleich mit einem internationalen Gipfeltreffen stattfanden, das von Wladimir Putin ausgerichtet wurde, dürfte den Imageschaden für den Kreml zusätzlich vergrößern. Der Krieg ist längst nicht mehr nur ein Problem an der Front – er ist inzwischen sichtbar im Herzen Russlands angekommen.
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