tierwohl
Neue Regeln gegen Greenwashing
Seit 27. September gelten in Österreich neue Regeln gegen irreführende Nachhaltigkeits- und Tierwohlversprechen. Grundlage ist eine neue EU-Richtlinie. Verbraucher:innen sollen dadurch besser vor unbelegten Aussagen auf Produktverpackungen und in der Werbung geschützt werden.
Besonders häufig wird laut VIER PFOTEN mit dem Begriff "Tierwohl" geworben. Eine allgemeingültige Definition gibt es bisher nicht. Unternehmen konnten daher mit Tierwohl werben, ohne genau darzulegen, was damit gemeint ist.
"Gerade der Begriff 'Tierwohl' wurde in den letzten Jahren geradezu inflationär von Unternehmen verwendet, um Produkte zu bewerben. Da es dafür allerdings keine allgemeingültige Definition gibt, konnten sich Unternehmen Tierschutz auf die Fahnen schreiben, ohne das Versprechen ausreichend belegen zu können", sagt VIER PFOTEN-Kampagnenleiterin Veronika Weissenböck.
Künftig sind allgemeine Aussagen über die Tierfreundlichkeit oder Nachhaltigkeit eines Produkts nicht mehr zulässig, wenn dafür kein anerkannter Nachweis vorliegt. Auch Umwelt-, Sozial- und Nachhaltigkeitssiegel dürfen nur verwendet werden, wenn sie auf einem öffentlich etablierten Kennzeichnungssystem beruhen oder Teil eines privaten Zertifizierungssystems mit transparenten, strengen und überprüfbaren Kriterien sind.
VIER PFOTEN sieht darin einen wichtigen Schritt gegen Greenwashing und Konsumententäuschung.
Die Organisation kündigt an, die Einhaltung der neuen Regeln durch Unternehmen zu beobachten. "Konsument:innen lassen sich ungern für dumm verkaufen. Falsche Produktversprechungen dürfen einfach nicht durchgehen, darauf werden wir ein Auge haben", so Weissenböck.
Von der Politik fordert VIER PFOTEN weitere Schritte, insbesondere eine verpflichtende Kennzeichnung tierischer Produkte nach Haltungsform und Herkunft. Diese müsse für Verbraucher:innen leicht verständlich sein, um Transparenz und faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen.
Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig kündigte bereits an, an einer Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie zu arbeiten. So sollen Gäste mehr Informationen über die Lebensmittel erhalten und vor allem die österreichische Landwirtschaft unterstützt werden. Tierschutzorganisationen fordern auch eine Haltungskennzeichnung. Auch in der Gastronomie soll für alle ersichtlich sein, ob ein Tier Auslauf hatte, ob es Stroh zur Verfügung hatte oder auf hartem Beton gehalten wurde. Eine Haltungskennzeichnung sieht Totschnig jedoch für überflüssig: "Vor einigen Jahren war die Tierhaltungskennzeichnung noch ein großes Thema. Wir und auch der Einzelhandel mussten jedoch zur Kenntnis nehmen, dass aufgrund der Inflation und der Preissensibilität die Forderung nach einer Tierhaltungskennzeichnung verschwunden ist."
Dabei zeichnet eine von VIER PFOTEN in Auftrag gegebene Umfrage ein anderes Bild. Noch vor einem Jahr ergab die vom Market Institut durchgeführte Studie, dass Tierwohl immer noch ein wichtiger Faktor für Konsument:innen ist. Die Fragestellung war, was Konsument:innen tun würden, wenn sie wüssten, dass die Tiere für ihr Fleisch während ihres gesamten Lebens gelitten haben.
- 51 % würden versuchen, weniger Fleisch zu essen.
- 9 % würden unter diesen Umständen ganz auf Fleisch verzichten.
- Zusammen wären also 60 % zu einer Reduktion oder einem vollständigen Verzicht bereit.
- 43 % sagten, dass sie bisher kein oder nur unzureichendes Wissen über schlechte Haltungsbedingungen und das damit verbundene Tierleid hätten.
Dass ein großer Teil der Befragten ihr eigenes Wissen über Tierhaltung und Tierleid als unzureichend bezeichnet, kann unterschiedliche Gründe haben. Vor allem sehr große Betriebe, die einen großen Teil des Marktes einnehmen, halten Tiere in Ställen, zu denen Konsument:innen keinen Zugang haben. Ob hinter Werbesprüchen wie "Tierwohl" und "Güte" tatsächlich ein glückliches Tierleben steht, kann von Konsument:innen oft nicht beurteilt werden. Die immer häufigeren Aufdeckungen von Tierschützer:innen zeigen, dass hinter "Tierwohl" oft kein Tierwohl steht.
Vor allem der Fall "Hardegg" hat Österreich schockiert – ein Schweinebetrieb, der jahrzehntelang als "DER Vorzeigebetrieb" in Sachen Tierwohl galt. Die Werbung suggerierte glückliche Schweine – die verdeckten Aufnahmen zeigten Gegenteiliges. Dabei stellt sich die Frage, wie Konsument:innen reagieren würden, wenn sie die tatsächlichen Haltungsbedingungen von Tieren sehen könnten. Tierschutzorganisationen gehen davon aus, dass mehr Wissen über die Haltung hinter verschlossenen Stalltüren das Konsumverhalten beeinflussen könnte. Zur geplanten Herkunftskennzeichnung und die geforderte Haltungskennzeichnung haben wir auch Agrarsprecher Peter Schmiedlechner von der FPÖ befragt. Auch er lehnt die Forderung einer Haltungskennzeichnung ab.
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