Stellungnahmen

Medien-Murks: Über drei Viertel gegen Babler-Plan

Andreas Babler spricht im Anzug bei einem Medienstatement vor Mikrofon und Glas Wasser.
© APA/FLORIAN WIESER
Nur zwei von bisher 34 Stellungnahmen sind positiv ++ 26 negativ, sechs neutral.
OE24 auf Google bevorzugen

Am Montag endet die Begutachtungsfrist für die geplante Zustellförderung von Medienminister Andreas Babler (SPÖ). Wenige Stunden vor Fristende lagen bereits 34 Stellungnahmen von Institutionen wie Unternehmen, Bundesländern oder Behörden vor. Das Ergebnis: Über drei Viertel der Reaktionen fielen negativ aus, nur zwei Stellungnahmen - also aufgerundet sechs Prozent - waren positiv, sechs waren neutral formuliert.

Nicht mitgerechnet sind die Stellungnahmen von Privatpersonen, aber auch hier ist das positive Echo mehr als überschaubar.

Alle Stellungnahmen von Institutionen im Überblick (Stand: Montag, 14 Uhr)
Negativ:
RZ Regionalzeitungs GmbH: Gratis-Medien werden "diskriminiert"
Land OÖ: Gratis-Medien sollen einbezogen werden
RegionalMedien Austria AG: Förderziel wird nur teilweise erreicht, weil Gratis-Medien ausgeschlossen werden
Wirtschaftskammer: Wettbewerbsverzerrung droht, Gratis-Medien sollten einbezogen werden
Land Steiermark: Einschränkung auf kostenpflichtige Medien "nicht nachvollziehbar"
Städtebund: Einbezug von Gratis-Medien soll nochmal evaluiert werden, kostenlose Druckwerke als "zentraler Partner" für Städte und Gemeinden
Bote aus der Buckligen Welt, Herausgeber: Förderung soll nicht abhängig von Mitarbeiterzahl oder Abo-Preis sein
Bote aus der Buckligen Welt, Chefredakteur: Förderung soll nicht abhängig von Mitarbeiterzahl oder Abo-Preis sein
oe24 media group GmbH: Förderung ist wettbewerbsverzerrend
Justizministerium: Warnung vor kostspieligen Rechtsstreitigkeiten
Gemeindebund: Gratis-Regionalmedien sollten einbezogen werden
Land Tirol: Gratis-Medien sollten einbezogen werden, v.a. kostenlose Wochenzeitungen, Gefahr der selektiven Begünstigung
Rechnungshof: Empfehlungen aus RH-Prüfbericht werden nicht umgesetzt; Harmonisierung und Vereinheitlichungen
Obersteirische Rundschau: Wettbewerbsverzerrung
Land Salzburg: Gratis-Zeitungen sind gerade in ländlichen Regionen wichtig und sollten einbezogen werden
RegionalMedien Oberösterreich GmbH: Kostenlose Zeitungen werden diskriminiert
CITY Magazin: Ausschluss von Gratis-Medien ist diskriminierend
Stadt Wien: Beschränkung auf kostenpflichtige Medien soll noch einmal evaluiert werden, Einbezug von Gratis-Medien könnte Zielsetzung besser sichern
Bundeswettbewerbsbehörde: Gratis-Medien wirken "Nachrichtenwüste" in ländlichen Regionen entgegen, Warnung vor wettbewerbsverzerrenden Effekten
Freischreiber:innen Österreich: Forderung nach Einbezug von angemessener Bezahlung für freiberufliche Journalisten als Kriterium
Land Kärnten: Ausschluss der Gratis-Medien wird "im Lichte des Grundrechts der Meinungs- und Medienfreiheit (Art. 10 EMRK) sowie des verfassungsrechtlichen Gleichheitsgrundsatzes (Art. 7 Abs 1. B-VG) zu beleuchten sein"
Land Niederösterreich: Ausschluss von Gratis-Medien "trägt nicht zur Fairness auf dem Medienmarkt bei"
Land Burgenland: Beschränkung auf kostenpflichtige Tages- und Wochenzeitungen "zu eng gefasst"
Verband der Regionalmedien: "Keine sachlich überzeugenden wirtschaftlichen oder publizistischen " Argumente für Ausschluss von Gratis-Medien, verstößt gegen EMRK
Rundschau - Oberländer Wochenzeitung: Unterscheidung von Gratis- und Kauf-Medien ist nicht mit dem Förderzweck vereinbar
AHVV Verlags GmbH: Nicht sachgerecht, nicht wettbewerbsneutral und nicht verfassungsrechtlich unbedenklich
Neutral:
KommAustria: Einige Anmerkungen, Verbesserung von Ungenauigkeiten
ÖGB: Einige Anregungen, etwa arbeitsrechtliche Verantwortung
Post AG: Forderung, dass Förderung nicht wettbewerbsverzerrend wirkt
Land Vorarlberg: Keine Einwände
Finanzministerium: Einige Anmerkungen über Ungenauigkeiten im Gesetzestext
Bundeskanzleramt: Kleine Verbesserungen, Hinweis auf Tippfehler im Gesetzestext
Positiv:
VÖZ: Förderung wird begrüßt
Bundesarbeitskammer: Fonds zur digitalen Transformation steht Gratis-Medien offen

Besonders bemerkenswert: Sogar SPÖ-geführte Landesregierungen positionieren sich gegen die derzeitige Ausgestaltung des Gesetzesentwurfes. Größter Kritikpunkt: Der Ausschluss von Gratis-Medien für die Förderung.

Die Argumente reichen von einer drohenden Wettbewerbsverzerrung, über die demokratiepolitische Funktion von kostenlosen Regionalmedien bis hin zu einer Diskriminierung von Älteren oder digital weniger Versierten, die keine digitale Alternative nutzen können. Und: Vor allem einkommensschwache Haushalte würden von kostenlosen Print-Produkten profitieren.

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden