Überproduktionsfalle
Italiens Weinbranche steckt in der Krise
Rund 40 Millionen Hektoliter Wein werden nach ersten Schätzungen bei der heurigen Lese erwartet. Doch der Spitzenplatz ist für die Branche kein Grund zum Feiern. Angesichts einer schwachen Nachfrage, voller Lager und rückläufiger Exporte wächst die Sorge vor einer Überproduktion.
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Wie groß die Bestände bereits sind, zeigen Zahlen des italienischen Landwirtschaftsministeriums. Ende Juli lagerten in den Kellern des Landes 45,6 Millionen Hektoliter Wein und Most - 8,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Ohne Most betrug der Bestand 42,6 Millionen Hektoliter, ein Plus von 6,9 Prozent. Die große Menge an unverkauftem Wein setzt die Preise unter Druck. Im Juni sanken die Preise für italienische Weine im Topsegment im Durchschnitt um sieben Prozent auf 1,57 Euro je Liter. Bei einfachen Weinen fiel der Rückgang mit 19 Prozent noch deutlich stärker aus.
Außenhandel schwächelt
Gleichzeitig schwächelt der Außenhandel. In den ersten fünf Monaten des Jahres ging der italienische Weinexport um sieben Prozent zurück. Besonders stark war der Einbruch in den USA, dem mit Abstand wichtigsten Auslandsmarkt Italiens: Dort gingen die Ausfuhren um 15 Prozent zurück. "Es gibt zu viel Wein auf dem Markt", monierte Lamberto Frescobaldi, Präsident des Winzerverbands "Unione Italiana Vini", gegenüber der Tageszeitung "La Stampa". Bei der derzeit schwachen Nachfrage könne sich Italien eigentlich nur eine Ernte von 35 bis 38 Millionen Hektolitern leisten. Das wären acht bis zehn Millionen Hektoliter weniger als der Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Stattdessen dürfte die Produktion trotz Hitze und Trockenheit darüber liegen.
Frescobaldi fordert deshalb ein zeitweiliges Aussetzen neuer Pflanzgenehmigungen. "Für ein größeres Gleichgewicht würde es ausreichen, die Genehmigungen für neue Anlagen vorübergehend zu stoppen", sagt er. Gleichzeitig warnt er vor einem weiteren Ausbau der Rebflächen, während in Italien bereits jedes Jahr mehr als 56.000 Hektar Landwirtschaftsfläche aufgegeben würden.
Preissturz bei den Trauben
Besonders angespannt ist die Lage bei den Preisen für Trauben. In Venetien, in Piemont, Apulien und anderen wichtigen Weinregionen wächst die Sorge vor einem weiteren Preisverfall. Christian Marchesini, Präsident des Consorzio della Valpolicella, spricht offen von Spekulation. Für frische Trauben sei angesichts der aktuellen Marktlage eigentlich ein Preis von 60 bis 80 Cent je Kilogramm angemessen. Tatsächlich würden teilweise nur 50 Cent geboten, in einigen Fällen sogar 40 Cent.
Auch bei den für Amarone bestimmten Trauben sieht Marchesini die Preise unter Druck. "Für den Amarone liegen wir bei 1,40 Euro, mit Spitzenwerten von 1,65 Euro, aber es gibt auch Angebote von 1,20 bis 1,30 Euro", sagt er. Zusammen mit den gestiegenen Produktionskosten könne der Einkommensverlust pro Hektar inzwischen mehr als 35 Prozent betragen.
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