Pünktlich zum großen UEFA-Krisengipfel bekommt Gianni Infantino seinen ersten Herausforderer. Der frühere Schweizer Nationalspieler Ramon Vega (55) erklärte am Mittwoch seine Absicht, bei der FIFA-Präsidentenwahl 2027 gegen seinen Landsmann anzutreten. Doch während Europas Fußballbosse am Donnerstag und Freitag (8./9. Oktober) im Berliner Ritz-Carlton über einen Machtwechsel an der FIFA-Spitze beraten, zeichnet sich ein Problem ab: Der Wunschkandidat der Infantino-Gegner will offenbar gar nicht antreten.
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Auch der ÖFB steht auf der Liste
Ab Donnerstag, 10 Uhr, treffen sich die Präsidenten und Generalsekretäre der 55 UEFA-Mitgliedsverbände in Berlin. Gastgeber des zweitägigen Treffens ist der europäische Fußballverband unter Präsident Aleksander Ceferin.
Auch Österreich wird auf der Teilnehmerliste in Berlin geführt. Dort stehen ÖFB-Präsident Josef Pröll und Generalsekretär Thomas Hollerer.
Pröll hat im Machtkampf längst Position bezogen. Bereits im August erklärte er nach Gesprächen mit UEFA-Boss Aleksander Ceferin beim Supercup in Salzburg: "Der ÖFB steht vollinhaltlich und felsenfest hinter der Linie der UEFA."
Am 11. September folgte der nächste Schritt: Der ÖFB-Aufsichtsrat beschloss einstimmig, eine Wiederwahl Infantinos im März 2027 nicht zu unterstützen. Die Vorwürfe gegen die FIFA-Führung seien bislang weder glaubhaft aufgeklärt noch entkräftet worden, begründete der Verband seine Entscheidung.
Österreich gehört damit zu jenen Verbänden, die Infantino bei der nächsten Wahl die Unterstützung verweigern wollen. Offen bleibt allerdings, auf welchen Gegenkandidaten sich die europäischen Verbände einigen können.
DFB-Präsident Bernd Neuendorf hatte die Marschrichtung bereits deutlich formuliert: "Wir müssen ihn vom Platz stellen." Doch dafür benötigt die UEFA einen Kandidaten, der auch außerhalb Europas Stimmen gewinnen kann.
UEFA-Krisengipfel: Die wichtigsten Fragen
Herausforderer da, Wunschkandidat zögert
Mit Ramon Vega (55) hat sich der erste Infantino-Herausforderer öffentlich gemeldet. Der ehemalige Schweizer Teamspieler und Tottenham-Profi fordert grundlegende FIFA-Reformen. Allerdings scheiterte Vega bereits 2019 mit einem Anlauf, weil er nicht die erforderliche Unterstützung von fünf Nationalverbänden erhielt. Auch diesmal muss er diese Hürde überwinden.
Die UEFA sucht unterdessen einen Kandidaten mit Rückhalt außerhalb Europas. Als Wunschlösung gilt laut AFP CONCACAF-Präsident Victor Montagliani (61). Doch der Kanadier soll eine Kandidatur erst 2031 bevorzugen. Auch PSG-Boss Nasser Al-Khelaïfi hat bereits abgewinkt. Der Opposition läuft damit die Zeit davon.
Milliardenstreit könnte vor Gericht landen
Auch Infantinos gescheiterter 17,9-Milliarden-Euro-Plan beschäftigt die UEFA. Der FIFA-Boss wollte rund 20 Prozent der Vermarktungsgesellschaft an private Investoren verkaufen und damit bis zu 3,75 Milliarden Euro einnehmen. Nach massivem Widerstand wurde das Projekt gestoppt.
Infantino hat weiter starke Verbündete
Während Europa nach einem Herausforderer sucht, erhält Infantino Unterstützung aus Südamerika und der arabischen Fußballwelt. Anfang Oktober stellte sich auch die Union der Arabischen Fußballverbände hinter ihn.
Die 55 UEFA-Verbände können eine Wiederwahl nicht allein verhindern. Beim FIFA-Kongress verfügt jeder der 211 Mitgliedsverbände grundsätzlich über eine Stimme. Bis 18. November müssen Gegenkandidaten nominiert sein, die Wahl findet am 18. März 2027 in Rabat statt.
Auch Nations League und Ceferin Thema
Abseits des FIFA-Machtkampfs beraten die Verbände laut der spanischen Zeitung "AS" über die Zukunft der Nations League. Ab 2028/29 ist eine Neuordnung mit drei statt vier Ligen und jeweils 18 Teams geplant.
Auch Ceferins Zukunft könnte Thema werden. Der UEFA-Präsident hatte angekündigt, 2027 nicht erneut anzutreten. Laut "AS" gibt es allerdings Bestrebungen, ihn zum Weitermachen zu bewegen.
Jetzt fordert auch Jamaika Antworten
Neue Vorwürfe gegen die FIFA kommen aus dem WM-Play-off zwischen Jamaika und der Demokratischen Republik Kongo (0:1). Recherchen der "New York Times" und von "Le Monde" werfen Fragen zur Spielberechtigung des kongolesischen Torhüters Lionel Mpasi auf. Nigeria hatte deswegen bereits zuvor Beschwerde eingelegt.
Nun kündigte auch Jamaikas Verbandspräsident Michael Ricketts gegenüber dem "Jamaica Gleaner" an, Antworten von der FIFA einzufordern. Der Weltverband weist die Vorwürfe zurück und bestreitet sowohl einen Regelverstoß als auch eine Einflussnahme Infantinos.
Dichter Zeitplan für Europas Fußballbosse
Der Gesprächsstoff für die zwei Tage in Berlin ist damit reichlich vorhanden: Infantinos mögliche Ablöse, der Milliardenstreit mit der FIFA, die Zukunft der Nations League und sogar die Nachfolge von UEFA-Boss Aleksander Ceferin. Vor allem bei der Kandidatensuche drängt die Zeit: Schon am 18. November endet die Nominierungsfrist für die FIFA-Präsidentenwahl.
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