Historischer Streit

Erster Besuch nach 71 Jahren: Chilenischer Präsident in Bolivien

Zwei Männer im Anzug schütteln bei einer Vertragsunterzeichnung vor Flaggen die Hände.
© EPA
Nach 71 Jahren hat erstmals wieder ein chilenischer Präsident Bolivien einen Staatsbesuch abgestattet.
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José Antonio Kast und sein bolivianischer Kollege Rodrigo Paz wollen nach eigenen Angaben die Beziehungen ihrer Länder verbessern, obwohl ein historischer Streit über Boliviens Zugang zum Pazifik ungelöst bleibt. Zuletzt hatte der chilenische Präsident Carlos Ibáñez del Campo 1955 Bolivien besucht.

Beide Länder unterhalten seit 1978 keine diplomatischen Beziehungen auf Botschafterebene mehr. Bolivien verlor seinen Küstenzugang im Salpeterkrieg gegen Chile Ende des 19. Jahrhunderts. Das südamerikanische Land wollte das vor dem höchsten Gericht der Vereinten Nationen korrigieren, weil es sich von einem eigenen Zugang zum Meer einen Impuls für den Handel verspricht.

2018 entschied der Internationale Gerichtshof in Den Haag, dass Chile nicht verpflichtet sei, über einen solchen Zugang zu verhandeln. Das Gericht rief beide Länder zum Dialog auf. Alle Gespräche beider Länder waren bis dahin ohne Ergebnis verlaufen.

Annäherung soll Handel und Sicherheit stärken

Die Präsidenten kündigten nun eine engere Kooperation bei der Bekämpfung grenzüberschreitender Kriminalität sowie Projekte zur Energieversorgung und digitalen Vernetzung an. Kast lud Paz zudem für 2027 zu einem Staatsbesuch nach Chile ein.

Dass der Streit um den Zugang zum Meer bei dem Treffen nicht im Mittelpunkt stand, kritisierte der frühere bolivianische Präsident Evo Morales. Der Ausschluss des Anspruchs von der bilateralen Agenda sei ein Affront gegen die historische Erinnerung des bolivianischen Volkes, schrieb er auf der Plattform X.

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