Dass ein Krügerl in Wien sechs Euro oder mehr kostet, kommt immer häufiger vor. Von etwa 5,80 auf sechs Euro geht es – zumindest für die Kundschaft – vor allem um eine psychologische Hürde. Wer bereit ist, fast sechs Euro zu zahlen, wird es wegen 20 Cent eher nicht lassen. Die Gründe für die hohen Preise sind bekannt, allen voran die hohe Inflation und die hohen Personalkosten.
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Es geht aber auch anders, was derzeit eine Handvoll Lokale in der Wiener Innenstadt beweist, wie der Standard berichtet. Im kürzlich eröffneten Edmund am Naschmarkt kostet eine "Hoibe" 3,90 Euro. Die Lösung verrät der zweite Teil des Lokalnamens: Stehausschank. Es gibt keine Kellnerinnen und Kellner, weshalb man sich selbst an der Schank versorgen muss. Frisch gezapft wird das Bier dennoch, Ottakringer kommt ins Glas – wenn auch unter dem Namen "Edmund Helles vom Tank".
Dahinter steckt ein einfaches Prinzip: weniger Personal, mehr Selbstbedienung und möglichst viel Frequenz.
Sparen bei den Personalkosten
Reicht es, bei den Personalkosten zu sparen, um Bier in dieser Preisklasse anzubieten? "Ja", sagt Edmund-Betreiber Moritz Huth zum STANDARD. "Das mit Abstand Teuerste in der Gastronomie ist das Personal. Wenn sich Gäste ihr Bier selbst holen, sparen wir Personalkosten und können das weitergeben." Ähnlich läuft es an der Freyung im ersten Bezirk: Im Freybier, das zum Gasthaus Zattl gehört, gibt es 0,5 Liter Hirter ebenfalls um 3,90 Euro.
International erprobtes Prinzip
Neu ist das Konzept nicht. Man kennt es aus britischen Pubs, aus heimischen Clubs oder früher vom Branntweiner. Auch in München erfreuen sich Stehausschänke derzeit großer Beliebtheit, etwa das Giesinger Bräu am Viktualienmarkt.
Mit besseren Konditionen von der Brauerei hat der niedrige Preis laut Huth nichts zu tun. Es gehe um eine Antwort auf steigende Preise. Irgendwann sei für Gäste eine Preisgrenze erreicht: "Wenn Essen und Getränke immer teurer werden, bleiben vor allem junge Menschen dem Ausgehen zunehmend fern." Die Gastronomie müsse gegensteuern und leistbare Preise anbieten. Bei niedrigeren Preisen könne sich das Geschäft über die Menge rechnen.
Umsetzung auch in kleineren Lokalen
Huth und Zattl sind Gastro-Instanzen in Wien, das Prinzip funktioniert aber auch in kleineren Lokalen. Jing Chen hat sein Bowl-Lokal in der Webgasse nahe der Mariahilfer Straße vor kurzem ins Stehsopherl verwandelt, im vierten Bezirk gibt es im Café Schäffin ebenfalls Bier für unter vier Euro.
Chen setzt ebenfalls auf eine Kombination aus Menge, Frequenz und niedrigen Personalkosten. Beim Einkauf habe die Gastronomie kaum Einfluss: "Auf Bier fällt Biersteuer an, zudem ist die Logistik von Fassbier aufwendiger als jene von Dosen- oder Flaschenbier. Mit den extrem günstigen Preisen im Handel kann die Gastronomie nicht konkurrieren", erklärt Chen, der gezapftes Zwettler ausschenkt. "Flaschen und Dosen haben in der Gastro wohl keine Zukunft, der Preis muss über das Fassbier funktionieren."
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