Der US-Netzwerkriese Cisco leitet bei seiner Software-Entwicklung einen radikalen Generationenwechsel ein.
Cisco-Boss Jeetu Patel hat dem jungen Ex-Gründer Padmanabhan Krishnamurthy (27), intern nennt man ihn "Paddy", unbegrenzte Rechenkapazitäten für Künstliche Intelligenz zur Verfügung gestellt, um fast den gesamten Quellcode des Konzerns von Grund auf zu erneuern.
98 Prozent des Legacy-Codes vor der Erneuerung
Krishnamurthy stieß im Jahr 2025 zu Cisco, nachdem der Tech-Gigant sein 2023 gegründetes Startup EzDubs – eine Plattform für KI-gestützte Echtzeit-Übersetzungen – übernommen hatte.
Trotz seiner Erfahrung als Unternehmensgründer und früherer CEO fand sich Krishnamurthy zunächst rund fünf Hierarchieebenen unter der Konzernspitze wieder und bearbeitete operative Aufgaben ohne strategische Tragweite.
Bei einem Besuch von Konzernpräsident Jeetu Patel in der Niederlassung in San Francisco kam es schließlich zur entscheidenden Begegnung: Krishnamurthy überzeugte das Management davon, dass er den gewaltigen Software-Code mit einem lediglich zweiköpfigen Team komplett neu strukturieren könne, berichtet das renommierte FORTUNE-Magazin.
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Unbegrenzte KI-Tokens für den internen Aufsteiger
Um diesen ambitionierten Plan in die Tat umzusetzen, stattete Patel den Nachwuchsmann mit uneingeschränkten KI-Ressourcen aus. Krishnamurthy erhielt unlimitierte Software-Tokens, um automatisierte Code-Refaktorierungen im großen Stil voranzutreiben.
Für den ersten Machbarkeitsnachweis gilt eine harte Frist von vier Wochen. Patel bezeichnete Krishnamurthy im Gespräch als unermüdlichen Antreiber, der verkrustete Strukturen aufbrechen und bestehende Systeme hinterfragen solle.
Die zentralen Eckdaten des Großprojekts im Überblick:
- Projektziel: Vollständige Neuschreibung von 98 Prozent des bestehenden Cisco-Codes
- Zeitrahmen: Endgültige Umsetzung innerhalb von 24 Monaten nach vierwöchiger Testphase
- Teamstärke: Kernteam aus nur zwei Entwicklern mit KI-Unterstützung
- Ressourcenausstattung: Unbegrenzter Zugriff auf KI-Modelle und Token-Kontingente
Warum vertraut Cisco dem Aufsteiger
In den meisten Traditionsunternehmen werden Vorhaben dieser Dimension ausschließlich Führungskräften mit jahrzehntelanger Branchenerfahrung übertragen. Patel sieht in diesem Denkansatz jedoch eine erhebliche Gefahr für die Innovationskraft.
Statt Nachwuchskräfte mit Datenabtippen und Hilfsarbeiten abzuspeisen, sollen sie die etablierten Entwickler fordern und ihnen neue Denkweisen beibringen. Wie erfolgreich das sein kann, zeigt der Fall einer Stanford-Stipendiatin namens Baya: Nachdem sie Patel beharrlich mit monatlichen Berichten über neueste KI-Trends versorgte, holte er sie als Praktikantin an Bord. Binnen kürzester Zeit knackte sie eine technische Hürde, an der sich langjährige Spezialisten zuvor die Zähne ausgebissen hatten. Nun will der Konzern sie dauerhaft binden.
Wenig Berufserfahrung gesucht
Cisco schwimmt damit gegen einen Trend am Arbeitsmarkt. Weil viele Firmen glauben, KI könne Einsteigerjobs billiger erledigen, planen rund 40 Prozent der Bosse, weniger Universitäts-Absolventen einzustellen. Doch renommierte US-Schwergewichte setzen genau auf das Gegenteil:
- Josh Kushner (Thrive Capital): Der Großinvestor von OpenAI (Bewertung bis zu 1,25 Billionen Dollar) sucht gezielt Mitarbeiter mit weniger als vier Jahren Berufserfahrung, weil diese den status quo hinterfragen.
- Alon Chen (Tastewise): Der KI-Unternehmer beliefert Giganten wie PepsiCo, Nestlé und Mars und stellt bevorzugt blutige Anfänger ein, da diese als "AI Natives" völlig ohne Schranken im Kopf agieren.
- Will.i.am: Der Musiker und Star-Investor (beteiligt an Tesla, Pinterest und OpenAI) fahndet an US-Elite-Unis wie Stanford und MIT nach hungrigen Talenten.
Für Cisco-Lenker Patel steht fest: Nur durch die perfekte Mischung aus erfahrenen Managern, Marktstrategen und unerschrockenen Jung-Gründern im sogenannten "Founder Mode" entsteht die nötige Durchschlagskraft für die nächste digitale Ära.
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