Branche warnt

Gäste erpressen Hotels mit Fake-Bewertungen

Verärgerter Hotelgast beschwert sich an der Rezeption über die Rechnung bei zwei Mitarbeiterinnen.
© Getty Images
Erpresserische Urlauber setzen die Hotellerie mit schlechten Bewertungen massiv unter Druck, weshalb Branchenvertreter jetzt strengere Regeln nach italienischem Vorbild fordern.
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Fake-Bewertungen werden für Hotels und andere Tourismusbetriebe zunehmend zum Problem. Das Tourismusministerium reagiert nun mit einem Leitfaden und einer eigenen Hotline. In der Branche geht das aber vielen nicht weit genug. Wie der ORF berichtet, fordern Vertreter der Hotellerie strengere Regeln für Bewertungsplattformen.

Das Ministerium hat eine Broschüre veröffentlicht, die Gastronomie-, Beherbergungs- und Freizeitbetrieben beim Umgang mit gefälschten Rezensionen helfen soll. Betroffene können sich außerdem werktags zu Bürozeiten an eine Hotline der Tourismusstelle wenden und dort mögliche weitere Schritte abklären.

Gäste drohen mit schlechten Bewertungen

Besonders heikel sind Fälle, in denen Gäste eine negative Rezension als Druckmittel einsetzen. "Es gibt Erpressungsversuche von Gästen, die zum Beispiel ein Zimmer gebucht haben, das nicht stornierbar ist", sagte Felix Neutatz, Fachgruppenobmann der Hotellerie in der Wiener Wirtschaftskammer, dem ORF.

Reist ein Gast nicht an und verlangt trotzdem sein Geld zurück, werde laut Neutatz mitunter mit einer schlechten Bewertung gedroht. Für ihn wäre deshalb eine Klarnamenpflicht sinnvoll. Rezensionen sollten zudem nur von Personen abgegeben werden können, die eine Leistung tatsächlich genutzt haben. Falsche Einträge müssten aus seiner Sicht rasch entfernt werden.

Hotelvereinigung fordert strengere Regeln

Mann an Rezeption telefoniert und spricht mit einer weiblichen Hotelgäste am Tresen.
Schlechte Bewertungen im Internet können für Beherbergungsbetriebe  existenzbedrohend sein. © Getty Images

Auch die Österreichische Hotelvereinigung sieht Handlungsbedarf. "Mehr Verifizierung, klare Haftungsregeln, Sanktionen und transparente Prüfmechanismen" seien notwendig, sagte ÖHV-Vizepräsident Alexander Ipp dem ORF. Maßnahmen müssten greifen, bevor ein Betrieb durch manipulierte Rezensionen bereits Schaden genommen habe.

Schon wenige falsche Bewertungen könnten spürbare Folgen haben. Neutatz bezeichnet Rezensionen deshalb als eine Art Währung für die Betriebe. Beide Branchenvertreter verweisen auf Italien, wo zuletzt deutlich strengere Vorgaben beschlossen wurden.

Italien verschärft Regeln für Rezensionen

In Italien dürfen Bewertungen künftig nur innerhalb von 30 Tagen nach der Nutzung einer Dienstleistung oder dem Kauf eines Produkts veröffentlicht werden. Verfassen dürfen sie nur Personen, die die Leistung tatsächlich in Anspruch genommen haben. Die Rezension muss sich konkret auf diese Erfahrung beziehen und darf nicht durch Rabatte oder andere Vorteile beeinflusst worden sein.

Als besonders glaubwürdig gelten Einträge, wenn sie etwa durch Rechnungen belegt werden können. Nach zwei Jahren verlieren Bewertungen ihre Zulässigkeit. Hotels und Restaurants erhalten zugleich mehr Möglichkeiten, unzulässige Rezensionen zu melden und deren Entfernung bei den Plattformen zu beantragen.

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