Wien schwitzt

Caritas öffnete Notplätze für Obdachlose

Hungrige wurden in der Kirche genährt.
© ORF
Die extreme Hitze des heurigen Sommers hat Wien fest im Griff gehabt – und die Caritas an ihre Grenzen gebracht. Die sogenannten "Klimaoasen" der Hilfsorganisation waren so gefragt, dass an den heißesten Tagen sogar zusätzliche Notplätze eröffnet werden mussten.
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Ein Sprung ins Freibad reicht längst nicht mehr für alle Wienerinnen und Wiener. Wer wenig verdient, lebt oft in engen, schlecht isolierten Wohnungen ohne Klimaanlage. Die Caritas schlägt deshalb Alarm: Besonders hart trifft die Hitze Menschen ohne eigene Wohnung, da es im Sommer sogar weniger Notquartiere gibt als im Winter.

Dehydrierung, Hitzschlag, Sonnenbrand und Kreislaufprobleme drohen

Bestehende Krankheiten und offene Wunden verschlimmern sich zusätzlich. Selbst Insektenstiche werden gefährlich, weil sie sich in der Hitze schneller entzünden – und Essen verdirbt binnen kürzester Zeit.

Insgesamt 24 Klimaoasen gibt es in Wien und Niederösterreich, viele davon in der Bundeshauptstadt – eingerichtet in Grünanlagen und Pfarrräumen. Pro Öffnungstag kamen jeweils 40 bis 50 Gäste, die dort mit Erfrischungen versorgt wurden. Die Standorte bleiben noch bis Ende September offen. Im Vorjahr zählte man von Juni bis September knapp 6.380 Besuche, betreut von rund 500 freiwilligen Helferinnen und Helfern.

Klima- und soziale Krise

Als im Osten Österreichs die Temperaturrekorde purzelten, reagierte die Stadt mit Notfallmaßnahmen: An Tagen mit mehr als 40 Grad öffneten sogar die Krypten der Pfarre Canisius und der Peterskirche als kühle Rückzugsorte, die Pfarre St. Rochus stellte Kirche und Kreuzgang zur Verfügung. Zusätzlich waren Streetwork-Teams der Caritas verstärkt im Einsatz und verteilten Hitzepakete mit Sommerschlafsäcken, Isomatten, Sonnencreme, Kappen, Kühltüchern und Trinkwasser.

Wiener Caritas-Direktor Klaus Schwertner warnt bereits jetzt vor dem nächsten Sommer und kündigt einen weiteren Ausbau der Hilfsangebote an. Die Klimakrise sei längst auch eine soziale Krise: "Mehr Hitze erfordert mehr Hilfe, also werden wir unsere Angebote zukünftig nach Kräften ausbauen und weiterentwickeln." Von der Politik fordert er konkrete Schritte: "Wir brauchen dringend einen nationalen Hitzeplan, leistbaren und hitzebeständigen Wohnraum und mehr Grünflächen in den Städten." Notquartierplätze analog zur Winterhilfe sind sinnvoll – hier sind sowohl die Stadtregierung als auch der Bund gefordert.

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