Die neuen Unterlagen im überarbeiteten Formular S-1 gewähren Investoren erstmals einen umfassenden Einblick in die Bücher des fünf Jahre alten Unternehmens.
In den ersten neun Monaten des Jahres bis zum 30. September erwirtschaftete Anthropic einen Umsatz von 33,24 Milliarden Dollar. Das entspricht einer Steigerung von rund 1.200 Prozent im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres. Allein auf das dritte Quartal entfielen davon rund 17 Milliarden Dollar Umsatz.
Nettoverlust von 104 Milliarden Dollar
Gleichzeitig weist das Unternehmen für die ersten neun Monate einen Nettoverlust von 104 Milliarden Dollar aus, nach einem Minus von 25,1 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Der Großteil dieses Fehlbetrags ist jedoch auf bilanzielle Bewertungsänderungen bei Wandelschuldverschreibungen und derivativen Verbindlichkeiten zurückzuführen. Für das dritte Quartal allein belief sich der Nettoverlust auf 23,29 Milliarden Dollar.
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Wahnsinns-Summe für Rechenleistung und Infrastruktur
Besonders bemerkenswert sind die langfristigen vertraglichen Bindungen, die das Unternehmen für die Zukunft eingegangen ist. In den Unterlagen beziffert Anthropic künftige Kaufverpflichtungen und Leasingverträge auf ein Gesamtvolumen von rund 895,4 Milliarden Dollar. Der Großteil dieser astronomischen Summe entfällt auf Rechenkapazitäten und technologische Infrastruktur:
- Massive Kostensteigerung: Die Ausgaben für Rechenleistung und Infrastruktur kletterten in den ersten neun Monaten um 14,4 Milliarden Dollar – ein Plus von 329 Prozent gegenüber 2025.
- Wachstumslogik: Im Börsenprospekt hält Anthropic wörtlich fest: "Mit dem Wachstum unserer Rechen- und Infrastrukturkapazität sind auch die damit verbundenen Ausgaben gestiegen."
- Technologie-Partner: Anthropic bezieht seine Kapazitäten vor allem von Tech-Riesen wie Amazon, Google und SpaceX, greift daneben aber auch auf spezialisierte Neoclouds zurück.
Wall Street blickt nervös auf den KI-Boom
Während Anthropic den Start seiner Roadshow zur Vorbereitung des Gangs an das New Yorker Parkett vorbereitet, wächst an den Finanzmärkten die Nervosität. Analysten fürchten zunehmend, dass hohe Zinsen die Refinanzierung riesiger Rechenzentren und Rechennetzwerke verteuern könnten.
Bereits die jüngsten Quartalszahlen von Microsoft, Google und Amazon hatten gezeigt, wie stark die immensen KI-Investitionen auf den Cashflow der Großkonzerne drücken. Anleger sorgen sich daher, ob ausreichende Kapazitäten überhaupt schnell genug bereitgestellt werden können.
Brisantes Duell mit Rivale OpenAI
Gegründet wurde Anthropic von CEO Dario Amodei gemeinsam mit weiteren Spitzenforschern, die dem Konkurrenten OpenAI den Rücken gekehrt hatten. OpenAI hat seinen Prospekt bereits im Juni vertraulich bei der SEC hinterlegt, peilt sein Debüt an der Börse allerdings erst für 2027 an. Anthropic positioniert sich im Vorfeld des Börsengangs gezielt als besonders sicherheitsorientiert.
In dem mehr als 90 Seiten umfassenden Risikoteil des Dokuments warnt das Unternehmen dennoch transparent vor Herausforderungen. Genannt werden potenzieller politischer Gegenwind, der enorme Infrastrukturbedarf sowie der anspruchsvolle Spagat zwischen kommerziellen Zielen und Sicherheitsstandards. Ob die Anleger die gigantische Bewertung mittragen, wird sich in den kommenden Wochen an der Wall Street entscheiden.
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