ÖSTERREICH-Reporter bei ukrainischen

»Wir werden sie vertreiben«

KW
»Wir werden sie vertreiben«
© tzoe
Reservisten-Einheiten verteidigen ihr Land, keine Angst vor Russen-Truppen.
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Zhitomir, Kiew. Wir sitzen in einem kleinen Waldstück, es ist frostig, leichter Schneefall. Schützengräben werden angelegt. Burgen mit Sandsäcken ­errichtet, Bäume umgeschnitten, sie dienen als Straßensperren: „Es ist einfach, aber wirkungsvoll“, sagen sie: „Sie wollen uns vernichten, aber wir werden sie vertreiben.“

Zweckoptimismus. Wieder hagelt es Raketen auf Kiew und die Region um die Stadt. Dumpfe Einschläge sind zu hören, das Grollen der Bomber über uns. Sirenen heulen, warnen vor Angriffen. Schon über 300 Zivilisten wurden seit Beginn der Offensive getötet, Hunderttausende befinden sich auf der Flucht.

Örtliche Brauerei füllt Molotow-Cocktails ab

Ich bin mit einer Einheit ukrainischer Kämpfer unterwegs, ihr Chef ist Dimitry, 62, ein Ex-Polizist. Er ist zuständig für eine Landstraße direkt neben der M06, rund 150 Mann sind unter seinem Kommando; Studenten, Arbeiter, Pensionisten. Jeder macht mit. Sie haben Jagdgewehre, Kalaschnikows, selbst gebastelte Bomben, Granatwerfer.

Die örtliche Brauerei hat die ganze Nacht über Mo­lotow-Cocktails abgefüllt, kleine Brandbomben mit Benzin in Flaschen, die auf Panzer geschleudert werden, in Flammen aufgehen: „Mehr haben wir nicht“, sagt Dimitry. „Wir bräuchten dringend Walkie-­Talkies, Helme, Schutz­westen.“

Plötzlich Direktangriffe inklusive BUK-Raketen

Sie befürchten einen Angriff aus dem Nordwesten: Ein 4 Kilometer langer Panzerkonvoi rückt an“, weiß er. Am Nachmittag ist es so weit: Die Panzer sind da, in einem Waldstück neben der Hauptstraße der 15.000 -Seelen-Stadt Brusilov, nur unweit westlich von Kiew, stehen drei BUK-Raketen auf mobilen Transportern – mit diesen Raketen wurde 2014 das Passagierflugzeug MH17 über ukrainischem Boden abgeschossen. Jetzt sind sie Teil des Krieges, wir stehen unter Direktangriffen. Eine beängstigende Situation. Ich bringe mich in Sicherheit, suche Schutz in den Räumen von Bürgermeister Volodimir Gabenes.

Vlada, 15: »Werde Putin das niemals verzeihen«

Auch Kinder werden getroffen, verwundet. Dabei sind die meisten schon geflüchtet. Die Schulen sind zu, die Geschäfte auch. Wer hier ist, verbringt die Nächte im Keller. Vlada, eine 15- jährige Schülerin: „Unsere Wohnung ist noch intakt. Viele Häuser sind aber zerstört. Ich hasse Putin, werde ihm nie verzeihen, was er mir und meinen Leuten angetan hat. Niemand geht mehr in die Schule, wir sitzen in Kellern, viele sind geflüchtet. Er hat meine Zukunft zerstört und die aller Kinder in der Ukraine.“

»Wir werden sie vertreiben«
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