Barcelona-GP
"Scheißrennen" - Toto Wolff tobt nach Ausfall
Der 41-jährige Brite, siebenfacher Weltmeister, erfüllte sich in Barcelona einen Kindheitstraum und durfte am Sonntag nach 686 langen Tagen wieder eine Sektdusche auf dem obersten Podest genießen. Der Rekordsieger bewies mit dem 106. Grand-Prix-Triumph nicht nur seinen Zweiflern, dass er noch um den achten WM-Titel fahren kann.
"Wie findet man die richtigen Worte, um ein Gefühl zu beschreiben, das deine kühnsten Träume übertrifft?", fragte Hamilton nach einem schier ewigen Interviewmarathon in Katalonien. Dann bekräftigte er, dass er wirklich an seine Entscheidung geglaubt habe, zur Saison 2025 von Mercedes zu Ferrari zu wechseln. "Ich habe daran geglaubt, was dieses Team erreichen kann, was wir gemeinsam erreichen können." Nun folgte eine Belohnung.
Seine Debütsaison bei der Scuderia war aber alles andere als erhofft verlaufen, ohne Grand-Prix-Podium in 24 Rennen. "Es begann mit viel Begeisterung (Sprint-Sieg in China, Anm.), dann folgten ein ganzes Jahr lang viele Zweifel und viel Negativität", blickte Hamilton auf schwierige Tage zurück. Es habe Momente gegeben, wo er sich dachte: "Sheesh, vielleicht stimmt es ja, dass man, wenn man einen bestimmten Punkt erreicht, es nicht mehr draufhat."
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Hamilton hatte Zweifel
Im Winter habe er dann härter trainiert als je zuvor, erklärte der Engländer. Auch das Team gebe ihm neben seiner Familie und Freunden stets Selbstvertrauen. "Man darf sich nie selbst hinterfragen, nie an sich zweifeln. Man muss weiter voll an sich glauben", betonte er. Dieses Mindset habe er wieder voll in seine Mentalität integriert - mit Erfolg. In Barcelona hüpfte er euphorisch mit seinen Mechanikern im Zielbereich, diese würdigten ihn mit "Lewis, Lewis"-Sprechchören. Auch einige "Bravissimo" waren zu vernehmen, nach dem ersten Triumph für die Scuderia seit Oktober 2024. "Ich wollte schon als Kind in einem Ferrari gewinnen, das ist großartig", sagte Hamilton danach überglücklich.
Im WM-Kampf hat freilich Mercedes noch die Oberhand. Aber Hamilton gab sich nach zuletzt zwei zweiten Plätzen und seinem siebenten Sieg in Barcelona kämpferisch. "Es ist noch nicht vorbei, so viel ist sicher", kündigte der Routinier an. Mercedes habe immer noch ein hohes Tempo. "Aber wir werden weiter daran arbeiten, diese Lücke zu schließen."
Wolff ärgerte sich über "Scheißrennen"
Bei Mercedes hingegen war der Ärger über das Ende der Siegesserie am siebenten Rennwochenende der Saison groß. George Russell musste sich in seinem 100. Rennen bei den "Silberpfeilen" mit dem zweiten Platz begnügen, nachdem er zur Rennhalbzeit noch in Führung gelegen war. WM-Leader Kimi Antonelli rollte fünf Runden vor Schluss als Zweitplatzierter aus, weil sich sein Bolide abschaltete. "Es war ein Scheißrennen für uns. Man kann keine Meisterschaften gewinnen, wenn die Autos ausfallen", monierte Toto Wolff im ORF.
Mit Hamilton, seinem langjährigen Erfolgsgaranten, freute sich Wolff aber sehr. "Er hat so lange gewartet und so hart gearbeitet", sagte der Wiener. Aber der Rennverlauf - u.a. mit einem glücklichen virtuellen Safety Car für Hamilton - wurmte Wolff. Auch ein Zweikampf zwischen Russell und Antonelli, als diese das Rennen angeführt hatten, brachte den Teamchef zum Grübeln. Da sei "irrsinnig viel Rennzeit" verloren gegangen, sagte er, "weil wir sie fighten haben lassen. Das ist etwas, wo wir unsere Regeln überdenken müssen. Weil wir haben jetzt einen echten Gegner."
Antonelli freute sich für seinen WM-Rivalen
Dieser hört auf den Namen Hamilton. Vor dem Großen Preis von Österreich in Spielberg beträgt Antonellis Vorsprung auf seinen um 22 Jahre älteren Vorgänger bei Mercedes nun 51 Punkte. Seinen Ausfall nach fünf Grand-Prix-Siegen in Serie schien der Teenager gut zu verkraften. "Das gehört zum Rennfahren dazu", betonte der 19-Jährige. Direkt nach dem Rennen gehörte der Italiener zu den ersten Gratulanten Hamiltons, seinem derzeit größten WM-Rivalen. "Ich freue mich sehr für ihn. Er hat so lange auf diesen Sieg für Ferrari gewartet, das hat er absolut verdient", sagte Antonelli.
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