Teamchef bleibt
Rangnick: Vom "Roten Bullen" zum Nationalhelden
Schon als Sportchef von Red Bull Salzburg setzte der Deutsche neue Maßstäbe, auch sein Amtsantritt beim ÖFB sorgte für eine kleine Revolution. Rangnick reformiert, rührt um, reizt Grenzen aus - und erreicht damit zumeist sein Ziel. Das Nationalteam ist derzeit so erfolgreich und beliebt wie selten zuvor.
Am Beginn seiner Tätigkeit im Juni 2022 fand der bald 68-Jährige eine hochtalentierte Truppe vor, deren Stärke davor aber nicht richtig zur Entfaltung gekommen war. Rangnick verordnete dem Team eine offensive Ausrichtung mit hohem, laufintensivem Pressing und damit im Grunde jene Spielphilosophie, die er schon Jahre davor sämtlichen Red-Bull-Teams übergestülpt hatte.
Salzburg und Leipzig entwickelten sich dadurch zu Vereinen, die in der Champions League reüssierten und deren Spieler von absoluten Topclubs um zweistellige Millionensummen abgeworben wurden. Einige davon stehen im aktuellen WM-Kader - und damit schließt sich der Kreis. Rangnick erntet gerade die Früchte seiner eigenen Arbeit bei Red Bull, er verfügt über ein Nationalteam mit einer Qualität, wie es sie wohl seit Jahrzehnten nicht gegeben hat.
Chukwuemeka und Wanner auch Rangnicks Verdienst
Dass es nicht an Nachschub mangelt, dafür sorgt Rangnick selbst. So wären die Nationenwechsel der Hoffnungsträger Carney Chukwuemeka und Paul Wanner wohl nicht ohne sein Zutun zustande gekommen. Rangnick macht dem oft als träge wahrgenommenen Nationalverband Beine, er stellt festgefahrene Strukturen und Abläufe infrage, sprüht vor Ideen und scheut auch nicht davor zurück, diese zu allen möglichen Tages- und Nachtzeiten bei den ÖFB-Verantwortlichen zu deponieren.
Sportdirektor Peter Schöttel charakterisiert Rangnick als "extrem hartnäckig im Verfolgen seiner Ziele, da lässt er sich von nichts und niemandem abbringen. Er kann auch sehr ungeduldig sein, weil er Dinge einfach sehr rasch so haben möchte, wie er es für richtig hält." Der Nationaltrainer verfügt beim A-Team über ein volles Durchgriffsrecht. "Da kann er frei agieren, und er agiert auch so, wie er es für richtig hält", sagte Schöttel.
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Allerdings ist das Nationalteam keine "One Man Show", denn Rangnick hat eine Reihe von Spezialisten um sich geschart. Gegneranalysen, Trainingssteuerung, medizinische Betreuung, Ernährung, Regeneration - nichts wird dem Zufall überlassen, jeder Bereich wird von Experten verantwortet. Das kostet Geld, das wiederum in anderen Bereichen wie etwa den Landesverbänden fehlt. Deren Präsidenten gelten deshalb nicht uneingeschränkt als Rangnick-Fans. Trotzdem segneten sie zu Monatsbeginn einstimmig jenes Vertragsangebot ab, das Rangnick mit Sponsorenunterstützung jährlich zwei Millionen Euro netto einbringt und das der Coach nun annahm.
Milan-Interesse machte ÖFB nervös
Die Verhandlungen über Rangnicks Verbleib begannen bereits im vergangenen Dezember und zogen sich über Monate. Zunächst sorgte beim Deutschen eine - mittlerweile entfernte - Klausel für Irritation, wonach der neue Kontrakt im Falle eines WM-Gruppenphasen-Outs hätte aufgelöst werden können. Dann tauchte plötzlich AC Milan auf und schien Rangnick mit einem millionenschweren Posten als mächtiger Sportchef zu locken. Der Verband wurde nervös, Rangnick ließ ihn genüsslich zappeln - und sagte schließlich doch noch rechtzeitig vor der ersten WM-Partie gegen Jordanien zu.
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Mit der Verlängerung steht fest, dass Rangnick auf mindestens 64 Matches auf der ÖFB-Betreuerbank kommen wird - mehr hat nur der legendäre Wunderteam-Coach Hugo Meisl auf dem Konto (133). Die Bilanz des Deutschen steht nach 45 Spielen bei 27 Siegen, 8 Unentschieden und 10 Niederlagen. Meisl ist mit 71 Siegen auch in dieser Statistik unerreicht. Als Nummer zwei bei der Anzahl der Siege liegt Rangnick gleichauf mit seinem Vorgänger Franco Foda, der für seine 27 Erfolge allerdings 48 Spiele benötigt hat.
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