Für 73 Euro
Millionen Österreicher müssen jetzt den Führerschein tauschen
Wer noch ein solches Dokument besitzt, muss dieses in den kommenden Jahren verpflichtend gegen das neue Scheckkartenformat austauschen.
Riesige Umtauschwelle rollt auf Österreich zu
In ganz Österreich befinden sich derzeit noch rund 3,6 Millionen der klassischen Papier-Führerscheine im Umlauf. Betroffen von dieser weitreichenden Maßnahme sind laut dem zuständigen Verkehrsministerium alle Führerscheine, die vor dem 19. Jänner 2013 ausgestellt wurden. Für Millionen Autofahrerinnen und Autofahrer im Land rückt der Tag des verpflichtenden Wechsels damit unaufhaltsam näher.
Da die alten Dokumente in der Vergangenheit nicht in einem zentralen Register erfasst wurden, lässt sich die genaue Zahl der heute noch tatsächlich aktiven und gültigen Papierführerscheine seitens der Behörden nicht exakt beziffern. Fest steht jedoch, dass die Gesamtzahl in den kommenden Jahren kontinuierlich sinken wird. Dies liegt unter anderem daran, dass im Laufe der Zeit viele Lenkberechtigungen aus persönlichen Gründen oder durch den natürlichen Verzicht im höheren Alter nicht mehr auf das neue Dokument umgeschrieben werden.
Umtausch bis Anfang 2033 verpflichtend
Der Hintergrund dieser umfassenden Umtauschaktion ist keine rein nationale Entscheidung, sondern geht auf einen weitreichenden Beschluss der Europäischen Union aus dem Jahr 2006 zurück. Ziel dieser EU-weiten Initiative ist es, die alten, oft unübersichtlichen und leicht fälschbaren Papierdokumente schrittweise durch einheitliche, fälschungssichere Dokumente im praktischen Scheckkartenformat zu ersetzen. Dadurch soll die Verwaltung vereinfacht und die Sicherheit im Straßenverkehr erhöht werden.
Für alle betroffenen Besitzer eines alten Papierführerscheins gilt eine klare Frist:
- Der verpflichtende Umtausch muss bis spätestens Anfang 2033 abgeschlossen sein.
- Ab diesem Zeitpunkt verlieren die alten Papierdokumente endgültig ihre Gültigkeit als Nachweis der Lenkberechtigung.
- Wer danach noch mit einem alten Papier-Führerschein fährt, muss mit entsprechenden Konsequenzen bei Verkehrskontrollen rechnen.
Keine gestaffelte Regelung wie in Deutschland
Ein wesentlicher Unterschied zu anderen europäischen Ländern betrifft den Ablauf des Verfahrens. Während in Deutschland ein streng durchgetakteter, gestaffelter Umtauschplan mit unterschiedlichen Fristen je nach Geburtsjahr oder Ausstellungsjahr existiert, verzichtet das Verkehrsministerium in Österreich bewusst auf einen solchen nationalen Stufenplan.
Als Begründung für diesen Verzicht führt das Ministerium an, dass ein stufenweiser Plan die von der Europäischen Union vorgesehene Gültigkeitsdauer der neuen Dokumente von 20 Jahren künstlich verkürzen würde. Das Verkehrsministerium betont jedoch, dass man die betroffenen Führerscheinbesitzer rechtzeitig und umfassend über den bevorstehenden Ablauf informieren will. Dennoch liegt die Verantwortung letztlich bei den Lenkern selbst, die sich rechtzeitig um den behördlichen Wechsel kümmern müssen.
ÖAMTC übt scharfe Kritik am Vorgehen
Die Entscheidung, auf einen klaren Stufenplan zu verzichten, stößt auf deutliche Kritik beim österreichischen Mobilitätsclub ÖAMTC. Die Experten des Clubs sprechen mit Blick auf das bisherige Vorgehen der Behörden von einem "typisch österreichischen Abwarten" und fordert vehement mehr Tempo beim Informationsfluss. Der ÖAMTC fordert, die betroffenen Autofahrer deutlich rascher und proaktiver über die notwendigen Schritte des Umtauschs aufzuklären, um einen massiven Ansturm auf die Behörden kurz vor dem Ende der Frist im Jahr 2033 zu verhindern.
Der Wechsel selbst ist für die Autofahrer allerdings nicht kostenlos. Der administrative Umstieg vom alten Papier auf das moderne Scheckkartenformat schlägt derzeit mit einer Gebühr von 73 Euro zu Buche. Angesichts dieser Kosten und der drohenden Bürokratie rät das Verkehrsministerium allen Betroffenen dringend dazu, das Thema nicht auf die lange Bank zu schieben und den Umtausch selbstständig und rechtzeitig in die Wege zu leiten.
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