F1-Doppeltalk:

Kimi Antonelli unstoppbar? Das sagen die TV-Experten Wurz & Lauda im oe24-Talk

Alexander Wurz im weißen Kapuzenpullover und Mathias Lauda im schwarzen T-Shirt lächeln nebeneinander in die Kamera.
© Getty
Der F1-WM-Kampf biegt in die Zielgerade. Die TV-Experten Mathias Lauda (ServusTV) und Alexander Wurz (ORF) analysieren im großen oe24-Interview die Dominanz von Kimi Antonelli, die Krise von George Russell und die Auferstehung von Max Verstappen.
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Nach dem Comeback-Sieg von Max Verstappen in Malaysia und dem neuerlichen Ausfall von George Russell kann der Gesamtführende Kimi Antonelli den WM-Champagner einkühlen.  Oder sehen das die TV-Experten anders? oe24 hakte bei den ehemaligen Rennfahrern Mathias Lauda und Alexander Wurz nach.

Formel E bleibt Reizwort

oe24: Abgesehen vom Softwarechaos in Malaysia: Bewährt sich vieldiskutierte "Formel E" doch?

Mathias Lauda: Die Rennen waren okay. Trotzdem bin ich kein Fan von den aktuellen Autos. Sie sind zu schwer und dadurch zu langsam, und das macht den Fahrern keinen Spaß. Die besten Fahrer der Welt sollten in den schnellsten Autos der Welt sitzen.

Alexander Wurz: Menschen tun sich immer schwer, sich an was Neues zu gewöhnen. Erst war Mercedes auf einem eigenen Level, aber mit dem Aufrücken der Konkurrenz war die Spannung, wie wir sie in der letzten Saison hatten, zurück. Fans, Experten und Fahrer gewöhnen sich daran und das TV-Spektakel hinkt nicht mehr hinterher. Nur die Fahrer lamentieren noch und jammern den alten Autos hinterher. Der Spaß am Vollgas-Fahren fehlt ihnen noch, aber in diese Richtung wird das Reglement eh weiter angepasst.

Saisondominator Kimi Antonelli nicht zu stoppen

Formel-1-Fahrer Kimi Antonelli liegt strahlend in einer Menschenmenge aus jubelnden Fans, die Mobiltelefone emporhalten und Mützen zum Signieren entgegenstrecken.
Der neue Liebling der Massen: Kimi Antonelli badet nach einer weiteren F1-Glanzleistung inmitten von begeisterten Anhängern in der Menge. Im exklusiven Talk schwärmten auch Alexander Wurz und Mathias Lauda vom rasanten Aufstieg des Mercedes-Pilotstalents, der im Titelkampf derzeit unaufhaltsam wirkt. © IMAGO/PsnewZ

oe24: Ist Kimi Antonelli der WM-Titel noch zu nehmen?

Lauda: Nein, das geht sich nicht mehr aus, er kann sich sogar Wochenenden wie das in Baku, wo es nicht so lief für ihn, leisten. Abgesehen davon lernt er aus seinen Fehlern.

Wurz: Kimi hat seinen Spaß, normalerweise ist er nicht mehr einzuholen. Da müsste ihm das Pechvogel reinspielen. Selbst dann wird er vorn bleiben, weil sich die Verfolger gegenseitig Punkte wegnehmen.

oe24: Ihre Erklärung für das Phänomen Antonelli?

Lauda: Toto Wolff hat Kimis Ausnahmetalent schon zu Kart-Zeiten erkannt. Jetzt ist er erst im 2. F1-Jahr und verspürt noch immer nicht den großen Druck.

Wurz: Für ihn passt einfach alles: Das Auto, das Reglement, seine Fahrweise. Dazu kommt das Talent, mit dem er auch im Kart in der Formel 4 und der Formel 2 eine Klasse für sich war.

George Russell im Pech

oe24: Was lief bei Eurem WM-Favoriten Russell falsch?

Lauda: Ein Mix aus allem: Er war zu WM-Beginn stark und hat sich selbst viel Druck aufgebaut. Aber plötzlich kam Kimi in Schwung, und das konnte George nicht verkraften. Er hat Kimi nicht mehr aus dem Kopf bekommen und ist in die Krise geschlittert. Wenn der Teamkollege plötzlich so locker und so schnell fährt, dann macht das was mit einem im Kopf. Dazu kam viel Pech wie zuletzt in Malaysia.

Wurz: Bei dem ist das Pechvogel gelandet. Zum Beispiel in Japan hat ihm das Safetycar zur falschen Zeit den sicher geglaubten Rennsieg genommen. Dann ist Kimi so richtig der Knopf aufgegangen.

oe24: Wann ist die WM rechnerisch entschieden?

Lauda: Drei Rennen vor Schluss.

Wurz: Zwei Rennen vor Schluss – in der Annahme, dass alle ausstehenden Rennen noch gefahren werden. Vielleicht sollten wir den KI-Agenten fragen.

Verstappen-Kampfansage für 2027

oe24: Gewinnt Max Verstappen heuer noch mehr Rennen?

Lauda: Max ist zurück! Er hat das Malaysia-Wochenende vom ersten Training an dominiert. Sein fahrerisches Können stand immer außer Zweifel, jetzt hat er endlich wieder das Auto, um zu siegen. Damit ist er auch in Singapur Favorit. Ich sag, er gewinnt noch zwei, drei Rennen.

Wurz: Ganz sicher - wobei die Anzahl seiner Siege auch davon abhängt, welche Rennen am Schluss tatsächlich gefahren werden. Jedenfalls waren seine letzten beiden Rennen ein Vorgeschmack, auf das, was er uns im nächsten Jahr zeigen wird.

oe24: Wird die WM 2027 wieder spannend?

Lauda: Wenn Russell aus seinen Fehlern lernt und den Kopf frei bekommt, ist er der Erste, der Antonelli stoppen kann. Verstappen hat in Malaysia gezeigt, wozu er mit einem siegfähigen Auto imstande ist. UND: Junge Fahrer kommen mit den neuen Autos besser zurecht als die älteren.

Wurz: Wobei keiner behaupten kann, dass die Rennen heuer nicht spannend wären. Die WM ist leider zu schnell in eine Richtung gelaufen. Was das nächste Jahr betrifft, wird der Jumpstart, den sich Mercedes erarbeitet hat, weg sein. Damit werden drei, vier Top-Teams knapp beisammen liegen und um die WM kämpfen. Wobei auch Red Bull mit dem neuen, eigenen Powerunit mit großen Schritten aufholt, wie wir bei den letzten beiden Rennen eindrucksvoll gesehen haben.

Fernando Alonso fährt in F1 weiter

oe24: Was wird aus Hamiltons Traum vom 8. Titel?

Lauda: Lewis ist vielleicht die Ausnahme meiner These. Mit seinem Fahrstil kommt er schon heuer viel besser zurecht mit dem Ferrari als es letztes Jahr der Fall war. Ich schätze, er kann nächstes Jahr wieder um Siege mitfahren, nicht aber um die WM.

Wurz: Dazu muss sich sein Team (Ferrari, d. Red.) fangen und die letzten zwei Zehntel finden. Wenn ich aber höre, dass es schon wieder Teamchef-Diskussionen gibt, braut sich die nächste hausgemachte Unruhe zusammen.

oe24: Alonso macht mit 45 Jahren weiter – habt ihr beide vielleicht zu früh aufgehört?

Lauda: Wenn ich sein Talent hätte, würde ich auch noch immer fahren. Fernando möchte sicher nicht mit seinem schlechtesten Jahr aufhören, nur weil das Auto überhaupt nicht funktioniert. Außerdem hat er sein Leben lang nix anderes gemacht.

Wurz: Die Stoppuhr weiß nicht, wie alt du bist. Ich habe aufgehört, als ich gespürt hab: Der letzte Funke ist nicht mehr da.

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