Ukraine-Krieg

Katastrophendürre UND wegen Krieg Weizenknappheit

Satellitenbild zeigt zwei beschädigte Kriegsschiffe an einem Pier im Hafen von Noworossijsk, Russland.
© APA/AFP/Satellite image ©2026 Va
Die Getreideexporteure Russland und Ukraine attackieren gegenseitig ihre Ausfuhrhäfen und die Routen. Das Schwarze Meer ist Kriegsschauplatz und der Weizenpreis auf einem Drei-Jahres-Hoch.
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Nicht nur die Dürre in Kontinentaleuropa schadet den Getreide-Erträgen. Auch der Krieg zwischen Russland und der Ukraine wird zu einem wachsenden Problem für die Getreideversorgung vor allem in Afrika, im Nahen Osten und weiteren Teilen Asiens. Die beiden bedeutenden Getreideexporteure attackieren mitten in der Erntezeit seit Wochen gegenseitig ihre Ausfuhrhäfen und Schiffsrouten in der Schwarzmeerregion. Damit ist dieser wichtige Handelsweg weitgehend blockiert.

Mehr als 97 Prozent der Exportkapazitäten beider Länder im Schwarzen Meer und im Asowschen Meer sind ausgefallen. Das berichtet Reuters unter Berufung auf eigene Berechnungen auf Basis von offiziellen Daten und Analystenschätzungen.

Wichtige Quellen für günstiges Getreide versiegt

Damit versiegen zwei wichtige Quellen für preisgünstiges Getreide. Der Ausfall der Schwarzmeer-Route treibt die weltweiten Weizenpreise massiv in die Höhe. Allein in diesem Monat sind sie um rund 6,5 Prozent gestiegen. Im Vergleich zum vergangenen Jahr ist Weizen sogar 30 Prozent teurer geworden. Zwar hatten große Lagerbestände und gute Ernten die Lage für Käufer etwas entspannt. Nun jedoch wächst Händlern zufolge der Druck auf Importländer, ihre Getreideversorgung zu sichern, da es im Ukraine-Krieg keine Anzeichen einer Deeskalation gibt. Abnehmer vor allem in Afrika und Asien müssen nun gezwungenermaßen auf teurere Anbieter wie Australien oder die USA ausweichen.

Ein Traktor lockert in staubiger Trockenheit ein abgeerntetes Feld in Niederösterreich auf.
Ein Traktor beim Auflockern des Bodens nach der Getreideernte. © APA/HARALD SCHNEIDER

In der vergangenen Saison hatten Russland und die Ukraine zusammen noch durchschnittlich 7,2 Millionen Tonnen Getreide pro Monat über die Terminals am Asowschen und Schwarzen Meer ausgeführt. "Gegenwärtig ist die zivile Schifffahrt im Schwarzen Meer praktisch zum Stillstand gekommen", sagte Jewgeni Karabanow, Leiter des Analysekomitees des Getreideverbands Kasachstans. Das zentralasiatische Land verschifft sein Getreide ebenfalls über russische Häfen.

In Russland ist Insidern und Behördenvertretern zufolge nur noch ein einziges kleines Getreideterminal am Schwarzmeerhafen Tuapse offiziell geöffnet. Die Kapazität beträgt dort etwa 160.000 Tonnen pro Monat. Große Anlagen in Noworossijsk, darunter NZT und NKHP, wurden nach einem ukrainischen Drohnenangriff geschlossen, wie es in Handelskreisen hieß. KSK, das größte russische Getreideterminal, stellte den Betrieb ebenso ein wie das Terminal in Taman am Asowschen Meer nahe der Straße von Kertsch. In dieser Woche wurden Insidern zufolge auch mehrere Getreidefrachter in russischen Häfen von Drohnen getroffen. Analysten von Rusagrotrans, einer Tochter des Getreidelogistikkonzerns Demetra Holding, schätzen die russischen Weizenexporte für August auf lediglich 1,8 Millionen Tonnen. Dies ist der niedrigste August-Wert seit 2010.

Aus ukrainischen Schwarzmeerterminals wird überhaupt kein Getreide mehr verschifft. Die Seehäfen rund um den Knotenpunkt Odessa haben ihren Betrieb Ende Juli faktisch eingestellt. Bis Mitte August seien keine neuen Schiffsanläufe verzeichnet worden, erklärte der ukrainische Landwirtschaftsminister Taras Wyssozkyj in der vergangenen Woche.

Begrenzte Ausweichrouten

Beide Länder suchen nach Ausweichrouten, deren Kapazitäten jedoch begrenzt sind. Die Ukraine exportiert Getreide zu jeweils rund 45 Prozent über Bahnverbindungen nach Osteuropa und über Donauhäfen. Die restlichen zehn Prozent werden per Lastwagen transportiert. "Wir gehen davon aus, dass wir 50 Prozent unseres Exportpotenzials erreichen können, wenn die Häfen blockiert bleiben", sagte Wyssozkyj. Russland wiederum kann einen Teil der Ausfuhren über Häfen an der Ostsee, am Kaspischen Meer und am Pazifik umleiten. Die längeren Transportwege sind jedoch logistisch anspruchsvoll und vergleichsweise teuer.

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