Interview

Interior-Trends im Herbst 2026: Laut Expertin lösen diese Farben jetzt Beige ab

© SOFACOMPANY
Kakao statt Beige, warmes Licht statt steriler Deckenbeleuchtung: Im Interview mit Live&Style verrät Interior-Expertin Helene Bachmann, welche Wohntrends den Herbst 2026 prägen – und mit welchen kleinen Veränderungen das Zuhause sofort gemütlicher wirkt.
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Im Herbst 2026 darf Wohnen wieder sinnlich, persönlich und vor allem gemütlich sein. Der kühle Minimalismus der vergangenen Jahre verliert endgültig an Bedeutung. An seine Stelle treten dunkle Naturhölzer, satte Farben, strukturierte Stoffe und Möbel, die nicht nur auf Instagram gut aussehen, sondern sich im Alltag tatsächlich bewähren.

"Räume werden so konzipiert, dass man sich gerne in ihnen aufhält und sie wirklich nutzt", erklärt Helene Bachmann im Gespräch mit Live&Style. Die Architektin und Möbeldesignerin ist neue Head of Design bei SOFACOMPANY. Nach ihrem Master an der Royal Danish Academy in Kopenhagen arbeitete sie zwölf Jahre lang mit Möbeln und Innenräumen – zunächst als Innenarchitektin, später in der internationalen Produkt- und Designstrategie. Inspiration versteht sie dabei nicht als plötzlichen Geistesblitz, sondern als Ergebnis genauer Beobachtung: von gesellschaftlichen Veränderungen, Wohnbedürfnissen und dem Markt.

Die Architektin und Möbeldesignerin Helene Bachmann ist die neue Head of Design bei SOFACOMPANY. © SOFACOMPANY

Kakao, Espresso und Pflaume: Das sind die Trendfarben im Herbst 2026

Wer beim Einrichten bisher automatisch zu Beige gegriffen hat, bekommt im Herbst eine deutlich ausdrucksstärkere Alternative. Laut Bachmann werden Kakao, Espresso und dunkle Schokolade zu den neuen neutralen Basisfarben. Sie wirken ebenso vielseitig wie Beige, verleihen einem Raum aber mehr Wärme und Tiefe.

Dazu kommen nostalgische Mitteltöne wie Karamell und Honig, die an die Farbwelten der 1970er-Jahre erinnern und moderne Möbel weicher erscheinen lassen. Dunkles Moosgrün, Waldgrün und erdiges Oliv sorgen für eine natürliche, beruhigende Atmosphäre.

Wer mehr Farbe möchte, ohne den Raum unruhig wirken zu lassen, kann gezielt Akzente in gedecktem Pflaume, Terrakotta, Terra Rosa oder tiefem Tech-Noir-Blau setzen. Auch Buttergelb bleibt erhalten – allerdings nicht mehr als dominanter Social-Media-Trend, sondern als kleiner, warmer Farbtupfer.

Besonders harmonisch wirken im Herbst 2026 etwa diese Kombinationen:

  • Espresso mit Buttergelb und hellem Holz
  • Kakao mit Pflaume und gebürstetem Messing
  • Moosgrün mit Karamell und Naturstein
  • Terrakotta mit Walnussholz und Creme
  • Tech-Noir-Blau mit Honigtönen und Räuchereiche

Diese Materialien machen die Wohnung sofort gemütlicher

Texturen übernehmen in der kommenden Saison die Hauptrolle. Entscheidend ist nicht nur, wie ein Material aussieht, sondern auch, wie es sich anfühlt.

Schwere Wollmischungen, matte Samtstoffe und hochwertige Chenille bringen spürbare Tiefe in den Raum. Glatte Sommertextilien dürfen gegen Decken mit kräftiger Webstruktur und Kissenbezüge aus Wolle, Bouclé oder Chenille ausgetauscht werden. Schon dieser kleine Wechsel lässt Wohn- und Schlafzimmer deutlich wärmer wirken.

Bei Möbeln rücken dunkle Hölzer wie Räuchereiche und Walnuss in den Mittelpunkt. Sie verleihen selbst schlichten Formen mehr Charakter und eine fast architektonische Präsenz. Kombiniert werden sie mit unglasierter Keramik, gebürstetem Messing und Naturstein, dessen Maserung und kleine Unregelmäßigkeiten ausdrücklich sichtbar bleiben dürfen.

Dahinter steckt auch ein Hauch Wabi-Sabi: die Idee, Schönheit nicht in makelloser Perfektion, sondern in natürlichen Spuren, individuellen Oberflächen und handwerklichem Charakter zu entdecken.

Organische Möbel bleiben

Geschwungene Sofas, runde Tische und weiche Silhouetten verschwinden nicht. Der Organic-Living-Trend entwickelt sich jedoch weiter. Statt einer blassen Beige-in-Beige-Einrichtung treffen die bekannten Rundungen nun auf dunklere Farben, klarere Rahmen und stärkere Kontraste.

Bachmann bezeichnet diese Entwicklung als "architektonische Wärme". Organische Formen bleiben weich und einladend, wirken durch Schokolade, Moosgrün oder Pflaume aber hochwertiger. Klare Linien, dunkles Holz und mehrere gezielt platzierte Lichtquellen geben dem Raum zusätzliche Struktur.

"Es geht weg von Wohnzimmern, die wie eine Ansammlung glatt geschliffener Kieselsteine aussehen", sagt die Designerin. Räume sollen wieder skulptural und dynamisch wirken, und vor allem wirklich bewohnbar sein.

Sofa "Maya": Die geschwungene Silhouette wirkt besonders weich und einladend, während die rote Decke einen kräftigen Farbakzent setzt. © SOFACOMPANY

Diese Sofaformen sind im Herbst 2026 besonders gefragt

Beim Sofa zählt nicht mehr nur die Optik. Komfort, Vielseitigkeit und funktionale Modularität stehen ganz oben auf der Wunschliste.

Gefragt sind niedrige, großzügig tiefe Sofalandschaften, die zum Entspannen, Arbeiten und Serienmarathon einladen. Gleichzeitig erleben skulpturale Modelle mit üppigen Rundungen einen Aufschwung. Sie wirken weich und lässig, behalten aber eine klare Form.

Besonders praktisch sind modulare Sofas, deren Elemente sich je nach Situation neu anordnen lassen. Aus einem strukturierten Ecksofa wird so für den Filmabend eine großzügige Doppel-Chaiselongue – und bei Besuch wieder eine klassische Sitzlandschaft.

"Ergonomie ist absolut nicht verhandelbar", betont Bachmann. Möbel müssten sich konsequent am menschlichen Körper und am echten Alltag orientieren. Großzügige Polsterungen und angenehm haptische Stoffe seien deshalb weit mehr als eine ästhetische Entscheidung.

Der Akzentsessel ist das wichtigste Update der Saison

Für einen neuen Look muss nicht gleich das gesamte Wohnzimmer umgestaltet werden. Die größte Wirkung erzielt laut der Interior-Expertin ein ausdrucksstarker Akzentsessel.

Ein Loungesessel in einer kräftigen Farbe, mit geschwungener Silhouette oder auffälligem Stoff bringt Persönlichkeit in den Raum, ohne dass die bestehende Einrichtung ausgetauscht werden muss.

Auch ein skulpturaler Hocker oder Pouf kann die Wirkung eines Raumes verändern. Er lässt sich flexibel verschieben, dient als zusätzliche Sitzgelegenheit oder Ablage und ist weniger kostspielig als ein neues Sofa.

Wichtig ist, nicht mehrere Trendstücke miteinander konkurrieren zu lassen. Ein markanter Sessel wirkt am besten, wenn Teppich, Sofa und größere Möbel optisch ruhiger bleiben.

In Moss und Olive bringt der Esszimmerstuhl "Asger" natürliche Farbtöne und gemütliche Cozy Vibes an den Esstisch. © SOFACOMPANY

Mit diesem Licht-Trick wirkt jeder Raum gemütlicher

Die schnellste Veränderung mit dem größten Effekt kostet oft weniger als ein neues Möbelstück: Statt einer einzelnen hellen Deckenleuchte empfiehlt Bachmann eine durchdachte Lichthierarchie.

Dafür werden mehrere warme Lichtquellen auf unterschiedlichen Höhen kombiniert – etwa eine Stehleuchte neben dem Sofa, eine kleine Tischlampe auf dem Sideboard, eine Pendelleuchte über dem Esstisch und Kerzen auf dem Couchtisch. So entstehen sanfte Lichtinseln, die einem Raum sofort mehr Tiefe und Atmosphäre geben.

Das harte Deckenlicht sollte möglichst ausgeschaltet bleiben. Wer neue Leuchtmittel kauft, greift am besten zu warmweißem Licht und dimmbaren Varianten. Dadurch lässt sich die Helligkeit am Abend anpassen, ohne dass der Raum düster wirkt.

Von diesen Interior-Trends verabschieden wir uns

Ganz oben auf der Streichliste steht der museale White-on-White-Look. Strahlend weiße Wände, weiße Sofas und nahezu unsichtbare Accessoires wirken zunehmend klinisch und passen nicht mehr zum Wunsch nach einem persönlichen, bewohnten Zuhause.

Auch monochrome, kühle Grautöne verlieren weiter an Bedeutung. Grau darf zwar als kleiner Kontrast zu Kakao, Honig oder Eiche bleiben, sollte aber nicht mehr den gesamten Raum dominieren. Ebenfalls überholt: kurzlebige Wohnaccessoires, die nur aufgrund eines Social-Media-Hypes gekauft werden.

So integriert man Wohntrends, ohne ständig neu einzurichten

Bachmanns goldene Regel lautet: "in die Basis investieren". Große Möbelstücke wie Sofa, Bett, Esstisch oder Schrank sollten hochwertig, langlebig und möglichst vielseitig gestaltet sein. Trends kommen dagegen über kleinere Elemente ins Zuhause, die sich unkompliziert austauschen lassen.

Dazu gehören:

  • Kissen und Decken
  • Vasen und Keramik
  • Lampenschirme und mobile Leuchten
  • Bilder und kleinere Kunstobjekte

Vor jedem Kauf empfiehlt die Designerin den "Unbranded Test": Würde man das Stück auch dann lieben, wenn keine bekannte Marke dahinterstünde und es gerade nicht auf Instagram zu sehen wäre? Lautet die Antwort Nein, sollte es besser nicht einziehen.

Der nachhaltigste Interior-Trend bleibt damit ein Zuhause, das sich am eigenen Leben orientiert. Denn Räume, die komfortabel sind, aus authentischen Materialien bestehen und mit persönlich bedeutsamen Dingen gefüllt werden, überstehen mehr als nur eine Saison. Oder wie Helene Bachmann es formuliert: "Schönheit ist auch eine Funktion."

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