neue Verordnung

Geplante Regelungen zum Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung

Tierärztin bereitet auf einem Bauernhof eine Impfung für eine Kuh mit einer Spritze vor.
© Getty Images
Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig und Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig haben den "Zukunftsprozess Tiergesundheitsdienst 2035" gestartet. Bis 2027 sollen drei zentrale Verordnungen überarbeitet und schrittweise in Kraft treten. Ziel sei ein einfacheres und stärker digitalisiertes System für Tierärzt:innen und landwirtschaftliche Betriebe.
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Geplant ist auch eine neue Verordnung zum Tiergesundheitsdienst, welcher die Zusammenarbeit zwischen Betrieben und Tierärzt:innen regelt. Die Verordnung soll unter anderem regeln, wie die Tiergesundheitsdienste konkret zu arbeiten haben, welche Aufgaben Tierhalter:innen und Tierärzt:innen übernehmen und wie Tiergesundheitsbesuche künftig digital dokumentiert werden. Außerdem soll sich die Betreuung der Betriebe künftig stärker nach Tierart, Betriebsgröße und Risikolage richten.

Mit einer neuen Verordnung zu den Tierarzneimitteln sollen die Abgabe und Anwendung von Medikamenten vereinfacht werden. Tierärzt:innen sollen bei Lieferengpässen leichter auf Ersatzpräparate ausweichen können. Außerdem sollen Tierhalter:innen bestimmter Haustiere nach einer Einschulung Medikamente sogar selbst verabreichen dürfen.

Auch der oft kritisierte hohe Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung wird in Angriff genommen. Mit der Veterinär-Antibiotika-Mengenströme-Verordnung soll in Zukunft nicht mehr nur der Verkauf, sondern der tatsächliche Verbrauch von Antibiotika gemeldet werden. Ziel ist ein bundesweit einheitliches Vergleichssystem, um den Einsatz besser kontrollieren zu können.

Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig betont:
"Antibiotikaresistenzen sind eine der großen Gesundheitsgefahren unserer Zeit. Schon heute sterben in Europa jedes Jahr mehr als 35.000 Menschen an Infektionen mit resistenten Bakterien. Deshalb müssen wir unnötige Antibiotikaeinsätze vermeiden und dafür sorgen, dass diese wichtigen Medikamente auch in Zukunft wirken, wenn Menschen oder Tiere sie wirklich brauchen."

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Fraglich ist dabei, ob das Leid der Tiere in der Tierhaltung durch die Reduktion von Antibiotika vergrößert wird. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig meint hingegen: "Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass der Antibiotikaeinsatz kontinuierlich und gezielt reduziert wird, ohne die Gesundheit der Tiere aus den Augen zu verlieren."

Und weiter "Außer Frage steht, dass erkrankte Tiere jederzeit rasch und fachgerecht behandelt werden müssen. Denn Tierwohl hat oberste Priorität und gesunde Tiere sind die Grundlage für eine nachhaltige und wirtschaftlich erfolgreiche Landwirtschaft."

Tatsächlich gilt der hohe Einsatz von Antibiotika seit Jahren als Folge einer intensiven Tierhaltung. Österreichische Mastrinder und Schweine werden meist auf Beton gehalten, anstatt auf Stroh. Die harten Liegeflächen führen oft zu Verletzungen und Entzündungen. Aufgrund der mangelnden Beschäftigung verletzen sich zudem Tiere gegenseitig.

Tierschutzorganisationen kritisieren daher, dass die Diskussion auf den Medikamenteneinsatz beschränkt bleibt, ohne die eigentlichen Ursachen, nämlich die schlechten Haltungsbedingungen, zu beheben. In Bio-Betrieben, die Tieren gesetzlich bessere Haltungsbedingungen bieten müssen, kommt es grundsätzlich auch zu weniger Krankheiten, als in konventionellen Betrieben, in denen Tiere schlechter gehalten werden. Um den Einsatz von Medikamenten in der Tierhaltung langfristig reduzieren zu können, braucht es daher höhere gesetzliche Standards bei der Haltung.

Dass künftig der tatsächliche Antibiotikaverbrauch gemeldet werden soll, gilt zwar als Fortschritt. Gleichzeitig bleibt offen, wie konsequent diese Daten kontrolliert werden können und welche Folgen Betriebe mit auffällig hohem Antibiotikaeinsatz zu erwarten haben.

Wer tierische Produkte konsumieren möchte, ohne große Mengen an Antibiotika zu sich zu nehmen, sollte daher auf Bio-Produkte setzen.

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