"Können nicht so weitermachen"

FIFA-Knall: UEFA entzieht Infantino das Vertrauen

FIFA-Präsident Gianni Infantino
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Der Druck auf FIFA-Präsident Gianni Infantino wird immer größer.
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Nach dem krachenden Scheitern der milliardenschweren Investorenpläne von Gianni Infantino stürzen sich die Kritiker auf den angezählten FIFA-Boss. Unter der Führung von Präsident Aleksander Ceferin heizte die Europäische Fußball-Union UEFA den Machtkampf mit markigen Worten an und legte dem mächtigsten Mann im Weltfußball notdürftig verklausuliert den Abschied nahe. Kritik kam auch vom ÖFB-Aufsichtsratsvorsitzenden Josef Pröll.

"Die derzeitige FIFA-Führung hat nicht nur das Vertrauen der UEFA verloren, sondern auch das vieler anderer Mitglieder der Fußballfamilie", erklärte der europäische Dachverband, nachdem der angeschlagene Infantino angesichts weltweiter Empörung und unter massivem öffentlichem Druck bei seinem heftig umstrittenen Kommerz-Projekt eine peinliche Kehrtwende vollzogen hatte. "Das ist ein Sieg für das ganze Spiel. Aber es darf nicht das Ende der Geschichte sein", hieß es vonseiten der UEFA. "So können wir nicht weitermachen - mit geheimen Machenschaften, die im Eiltempo von gesichtslosen Individuen ausgeheckt werden und deren Nutzen für den Sport fragwürdig ist". Man müsse "die Verantwortlichen ausfindig machen und sie zur Rechenschaft ziehen."

"Schäbig" und "undurchsichtig"

"Der schäbige, hinter verschlossenen Türen ausgehandelte und undurchsichtige Deal, den er eingefädelt und anschließend durchzusetzen versucht hat, war das genaue Gegenteil von Transparenz", polterte die UEFA. Man werde nun mit den Mitgliedsverbänden und "in enger Zusammenarbeit" mit den anderen Konföderationen analysieren, wie es dazu kommen konnte, um eine Wiederholung auszuschließen. "Diese Überprüfung muss gründlich und umfassend sein. Keine Option darf von vornherein ausgeschlossen werden." Die Forderung der UEFA: Infantino, verschwinde! Seine Konkurrenten dürfen sich also in Stellung bringen.

Ein Mann im Anzug spricht auf einer Bühne mit ausgebreiteten Armen vor gelbem Hintergrund.
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Pröll äußerte sich in einer schriftlichen Stellungnahme ebenso mit klaren Worten. Den Investorenplan vom Tisch zu nehmen, sei ein "erster richtiger Schritt" gewesen. Die Pläne haben den Fußball weltweit in seinen Grundfesten erschüttert und viel Vertrauen ist verloren gegangen."

Dennoch könne man nicht zur Tagesordnung übergehen, mahnte Pröll. "Es sind viele Fragen offen. Dem Fußball steht eine intensive Zeit mit grundlegenden Diskussionen bevor. Wir sind bereit, diese besonnen und im engen Dialog mit den Verbänden und der UEFA an der Spitze zu führen, um gemeinsam die richtigen Weichen für eine nachhaltige und vertrauensvolle Zukunft des Fußballs zu stellen, in der der Sport im Zentrum steht. Das ist unsere gemeinsame Verantwortung."

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Kritik auch von anderen Nationalverbänden

Auch Europas nationale Verbände schossen verbal scharf. "Die Vorgänge rund um dieses von Gianni Infantino initiierte Projekt müssen jetzt lückenlos aufgeklärt werden. Der FIFA-Präsident hat eigenmächtig, intransparent und letztlich auch unverantwortlich im Sinne des Fußballs gehandelt", schrieb DFB-Präsident Bernd Neuendorf. Man müsse nun "gemeinsam mit der UEFA und anderen Konföderationen dafür sorgen, dass bei der FIFA eine grundsätzlich andere Kultur einzieht. Eine Kultur, in der vor allem Entscheidungen wieder von den Mitgliedern in den Gremien diskutiert und getroffen werden."

Angelegenheit nicht erledigt

"Es ist an der Zeit für eine umfassende und gründliche Überprüfung der Führung und der Governance der FIFA, um sicherzustellen, dass der weltweite Fußballsport transparent und zum Wohle aller 211 Mitgliedsverbände geführt wird", forderte der englische Verband FA. Auch der niederländische Verband distanzierte sich deutlich von Infantino. "Mit dem Rückzug des Vorschlags ist die Angelegenheit für den KNVB nicht erledigt. Die Art und Weise, wie dieser Prozess verlaufen ist, hat zu einem grundlegenden Vertrauensbruch im Führungsstil des FIFA-Präsidenten Gianni Infantino geführt. Der KNVB hat kein Vertrauen mehr in seine Führung", hieß es in einem Statement. "Diese Situation erfordert ein ernsthaftes Gespräch über die Zukunft der Governance und Führung innerhalb der FIFA."

Eingangsschild der FIFA-Zentrale in Zürich vor grünem Fußballfeld und Bäumen.
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Infantino habe es nicht geschafft, die milliardenschweren Rücklagen der FIFA den Verbänden und damit dem Fußball zukommen zu lassen, kritisierte die UEFA und schrieb von Reserven in Höhe von fünf Milliarden Dollar. Stattdessen hatte Infantino zuletzt vorgeschlagen, einen Teil der WM-Rechte in ein Tochterunternehmen auszulagern und durch den Verkauf an Investoren hohe Summen einzunehmen. Berichten zufolge setzte der Weltverband dann den Verbänden für die Zustimmung zu den Plänen eine Frist bis zum 19. September und stellte im Gegenzug Sonderzahlungen in Aussicht.

Das scheiterte kolossal nach massiven Protesten vor allem aus Europa - aber auch die Kontinentalverbände in Asien sowie Nord- und Mittelamerika lehnten Infantinos Pläne ab. Der seit 2016 amtierende Schweizer steht heftig unter Druck, viele in der Fußball-Welt und selbst der Politik fordern seinen Rücktritt.

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