Schweine-Skandal

400 tote Schweine - 1000 verschwunden: Haben Behörden korrekt gearbeitet?

Ein Schwein mit schmutziger Schnauze blickt aus einem dunklen Stall nach vorne.
© Pexels
Auf einem Schweinemastbetrieb im Bezirk Amstetten wurden Ende Juli rund 400 tote und teilweise verweste Schweine entdeckt. Nur 88 Tiere waren noch am Leben und wurden auf andere Betriebe gebracht.
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Besonders brisant: Bei der Auswertung der Bestandsunterlagen stellte die Polizei zudem einen Fehlbestand von rund 1.000 Schweinen fest. Wo diese Tiere geblieben sind, weiß bislang niemand. Es besteht der Verdacht des Kannibalismus, denn im Betrieb wurden Knochen gefunden.

Das Vorgehen der Behörden wird nun scharf kritisiert. Nach Angaben von Tierschutzorganisationen gab es bereits im April 2026 einen Hinweis auf starken Verwesungsgeruch. Am 17. Juli wurde der Behörde erneut Verwesungsgeruch gemeldet. Das Betreten des Betriebes wurde ihr jedoch verwehrt. Erst eine Woche später verschafften sich behördliche Vertreter:innen Zugang zum Betrieb, wo das schockierende Ausmaß festgestellt wurde.

Damit stellt sich eine zentrale Frage: Was geschah zwischen den Vorgängen im April und der späteren Aufdeckung Ende Juli? Wenn bereits im April Hinweise auf mögliche gravierende Missstände vorlagen, warum wurde der Betrieb nicht intensiver kontrolliert und gegebenenfalls früher geschlossen? Und was wurde bei den damaligen Kontrollen konkret dokumentiert? Diese Fragen sind noch offen.

Der Hof ist schon seit 2025 bei den Behörden aufgefallen. Damals starben nach ersten Angaben 150 Tiere aufgrund der ausgefallenen Lüftung. die niederösterreichische Landesveterinärdirektorin gab später an, dass nicht 150, sondern nur 55 Schweine gestorben wären. Wie es zu zwei unterschiedlichen Angaben kommen konnte, ist unklar. Da die Lüftungsanlage repariert wurde, habe es laut Landesveterinärdirektion keinen Anlass für weitere Kontrolle gegeben. Die Behörde weist deshalb ein eigenes Versagen zurück.

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Laut den Behörden werden in Niederösterreich jährlich rund 6.000 landwirtschaftliche Betriebe kontrolliert. Betriebe mit größeren Tierbeständen oder früheren Auffälligkeiten sollen häufiger überprüft werden, zusätzlich gibt es Verdachtskontrollen. Gleichzeitig kritisieren Tierschutzorganisationen, dass Kontrollen zu selten und häufig angekündigt erfolgen. Der Rechnungshof hatte bereits 2024 festgestellt, dass die vorgeschriebene Kontrollquote von lediglich zwei Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe nicht überall erreicht wird.

Besonders schwer wiegt deshalb der Fehlbestand von rund 1.000 Schweinen. Unverständlich ist, wie ein dermaßen großer Unterschied zwischen erwartbarem und tatsächlich vorgefundenem Bestand entstehen und über so lange Zeit unentdeckt bleiben konnte.

Kritisiert wird auch, warum es nach Meldungen von starkem Verwesungsgeruch rund eine Woche dauerte, bis die Behörden sich Zugang zum Betrieb verschafft haben. Laut Tierschutzorganisationen sei es nicht nachvollziehbar, warum bei dringenden Verdacht auf Tierquälerei bzw. einer möglichen Gefahr für Tiere mehrere Tage vergingen, bis kontrolliert wurde. Die Pfotenhilfe verweist dabei auf § 36 Tierschutzgesetz, wonach Kontrollorgane unter Wahrung der Verhältnismäßigkeit auch gegen den Willen des Halters Zutritt zu Liegenschaften und Räumen erlangen können.

Der VGT fordert ein Tierhalteverbot für den Betreiber und will Anzeige wegen Tierquälerei nach dem Strafgesetzbuch erstatten. Der Betrieb wurde vorerst geschlossen. Tierschutz Austria und die Pfotenhilfe fordern darüber hinaus unangekündigte und regelmäßigere Kontrollen sowie mehr Personal und Ressourcen für die amtliche Veterinärkontrolle.

Viele Fragen sind noch offen, doch klar ist, dass das Leid der 1400 wahrscheinlich toten Schweine und der 88 überlebenden von unvorstellbarem Ausmaß gewesen sein muss.

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